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Der Euro ist uns Deutschen bitter aufgestoßen, weil wir über seine Einführung nicht mitbestimmen durften und weil es seinerzeit zu einem deutlichen Inflationssprung gekommen war. Doch die eigentlichen Probleme gehen heute viel weiter. Der Euro ist in Deutschland verantwortlich für schwaches Wachstum und eine viel höhere Inflation als sie die DM in dieser Situation verzeichnet hätte. Außerdem drohen an sich nicht vorgesehene Beistandspflichten Deutschlands für die stark kränkelnden Euro-Länder, z.B. Spanien, entweder über die Notenpresse der EZB oder aus dem deutschen Staatshaushalt mit Steuerzahlergeld.
Die meisten Eurozonenländer verzeichneten nach den neuesten Angaben von Eurostat in den ersten fünf Monaten 2008 teilweise hohe Defizite im Handel mit dem Rest der Welt. Die Gesamtbilanz war negativ und wäre ohne den hohen Überschuß Deutschlands noch negativer gewesen:

Die Leistungsbilanzen, die den gesamten Außenwirtschaftsverkehr umfassen, waren 2007 schon bei der Hälfte der Eurozonenländer negativ (bei vielen in starkem Fall) und dies schon seit vielen Jahren:

Besonders schlimm sieht es auf der Südschiene der Eurozone aus:

und hier - in Dollar ausgedrückt - vor allem um Spanien:

Bei drei Ländern ist die Belastung pro BIP noch viel höher als für die USA. Inzwischen bewerten die Finanzmärkte die Kreditrisiken der Südschiene selbst aus Staatspapieren bereits wesentlich höher:

Es läßt sich nicht mehr ausschließen, was Ex-Bundeskanzler Schmidt in seiner Kritik an der Euroeinführung befürchtete, nämlich deutsche Beistandspflichten.
Im Klartext heißt das: Viele Eurozonenländer leben weit über ihre Verhältnisse und brauchen zur Stabilisierung des Euro nach unten die Überschüsse, die Deutschland produziert, indem es weit unter seinen Verhältnissen lebt. Ohne diesen Ausgleich und ohne den Euro würden die Währungen dieser Länder jetzt absaufen, und so die Importe und Zinsen drastisch verteuern.
An den enormen deutschen Exportüberschüssen ist der Mechanismus des Euro schuld. Denn einerseits konnte es die EZB nicht schaffen, die Inflationsraten zu vereinheitlichen. Deutschland hat bei Weitem die niedrigste Inflation seit der Einführung des Euro angesammelt:

Die deutsche Exportwirtschaft kann damit Dank Euro höhere Europreise erzielen, wenn sie in Länder mit höherer Inflation exportiert und so die deutschen Überschüsse aufbaut.
Ebenso wirken die in Deutschland wesentlich niedrigeren Lohnsteigerungen, die die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Exports bei den Eurozonenpartner stark gesteigert haben:

(Abb. 12990); die deutsche Exportindustrie hatte so eine zusätzliches Motiv die Löhne in Deutschland zu drücken. Gäbe es noch die DM, wäre das alles durch Wechselkursanpassungen ausgeglichen worden und wären solche schädlichen Ungleichgewichte nie entstanden. Daß Deutschland so seit Jahren weit unter seinen Verhältnissen lebt, zeigt die besonders schlechte Entwicklung der Nachfrage privater Haushalte:

Der Euro hat für Deutschland derzeit zwei weitere gravierende Nachteile. Erstens ist der Außenwert des Euro viel schwächer als es bei Fortbestehen der DM deren Außenwert wäre, weil er von den Leistungsbilanzdefiziten der anderen Eurozonenländer nach unten gezogen wird. Die DM wäre mehrfach aufgewertet worden. Damit hätten sich die Importe, vor allem von Energie und Nahrungsmitteln, aber auch allen anderen Waren für den deutschen Verbraucher entsprechend verbilligt. Nun aber zahlen die deutschen Verbraucher mit mehr Euro-Inflation die Zeche für die Exportschwäche bzw. das Über-die-Verhältnisse-Leben der meisten anderen Eurozonenländer mit, wobei sie dann noch wegen des negativen Lohndrucks die schlechteste Entwicklung der Arbeitseinkommen (siehe oben) in der Eurozone haben. Mitgefangen im Euro heißt so mitgehangen. Zweitens hätte die Bundesbank bei dann geringerer DM-Inflation den Zentralbankzins niedriger halten können, mit entsprechenden positiven Folgen für die deutsche Wirtschaftsentwicklung, gerade jetzt im Abschwung der Weltwirtschaft.
Wenn jetzt das erste ernsthafte Gewitter seit Euroeinführung über die Weltwirtschaft hereinbricht, wird man sich die DM zurückwünschen. Deutschland hat nun in so viel schwierigeren Zeiten nicht nur die noch fortbestehenden Belastungen aus der Wiedervereinigung zu tragen, sondern auch die aus der Eurozonen-Südschiene. Zudem wird es auch noch osteuropäische EU-Beitrittsländer geben, die gerade jetzt schutzsuchend in den Euro wollen und damit dessen Belastungen für Deutschland noch verstärken.
Vielleicht kommt die Zeit, über eine Abwicklung des Euroverbunds nachzudenken.
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Joachim Jahnke
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