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Schweden kommt nicht mehr zur Ruhe

Mittwoch 31. Januar 2007 von Gerold Schwarz

Seit der Regierungsübernahme der schwedischen Konservativen stolpert das Land von einer Unruhe in die nächste. Ich berichtete ja bereits vor zwei Wochen über die für schwedische Verhältnisse völlig untypischen Sozialproteste als Reaktion auf die angekündigten Sozialkürzungen.

Meine schwedischen Freunde haben mir hierzu nunmehr wie angekündigt einen kurzen Bericht geschickt, den ich nicht vorenthalten möchte:

A brief background about the elections in GERMAN! can be found here.

Then, what have happened the last few months?

After the elections there was much discussion about the surge of the extreme-right-wing party, "Sverigedemokraterna”. They didn’t qualify for the Swedish Parliament, but in some municipalitys, especially in my region (Skåne), they have several seats. There’s been much analysing about who’s voting for them and why, and also some manifestations and demonstrations against racism.

An other question, more closely related to the new government, is the attack on the unemployment insurance. In short they want to remove the tax reduction for the fee, which make the trade unions fear a drop in membership. The new government will also make it harder to qualify for this insurance, eg. for students who just finished their education. These and other changes has been forced through very fast, the people administrating the systems complain that they wont even be able to arrange all this in such a short time.

The changes in the unemployment insurence has led to quite big demonstrations in many towns. There has been different demonstrations organized by LO (the Swedish Confederation of Trade Unions) and SAC (the syndicalists). Members of SAC went on a one-day political strike against the proposal, but this strike was not supported by LO, and therefore quite small.

As you wrote, our political climate is by tradition consense orientated. All key positions in LO are held by people who are also members of the social democrat party, who has been in power for a very long time, except for the years 91–94. Mass mobilisations by trade unions are much less common than in for example France. But now, in some ways its easier to be in clear opposition to the government. In the same time the risk is that all these anti-trade union mesures will weaken them in the long run.

This was just some examples. In general, activists are talking about a new beginning for the left. When the basis of the welfare state are threatened, people start wakening up. And also this could be the time for the social democratic party to renew itself. But still, its a very old and hierachial party, and a member of it told me that the post-election self-critisism only lasted a couple of months."

Unmittelbar nach diesen Protesten empörte sich die schwedische Öffentlichkeit darüber, dass die Regierung einen Brief unserer Bundesangela Merkel geheim hielt, in welchem geschildert wird, wie die deutsche EU-Ratspräsidentschaft die EU-Verfassung unter Ausschluss jeglicher Bürgerbeteiligung durchsetzen will. Der Brief wurde dann unangenehmerweise doch durch schwedische Gewerkschaften veröffentlicht, und der Inhalt entsprach dann auch voll und ganz den immer wieder geäußerten Befürchtungen, dass unsere Eliten das neoliberale Verfassungswerk entgegen des ausdrücklichen Willens der Bevölkerung im Alleingang mittels geheimen Kungelrunden umsetzen wollen. So folgte dann auf die Empörung über die die niederträchtigen Sozialkürzungen der schwedischen Regierung unmittelbar gleich die nächste Empörung über den ebenso niederträchtige Vorschlag unserer Regierung um ohne Unterbrechung gleich der nächsten Empörung über die Zustände in schwedischen Kraftwerken Platz zu machen. Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen aufgrund eines massiven Störfalls aufgrund einer unsicheren Notstromversorgung, der nur knapp an einer Kernschmelze vorbeiging, wurde festgestellt, dass in schwedischen Kernkraftwerken, die nach Auskunft der schwedischen Kraftwerksbetreiber sowie der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO natürlich „die sichersten der Welt“ sind (“Forsmark Nuclear Power Plant is one of the safest in the world and it should be possible to run it for another 50 years”), die Angestellten offenbar stockbetrunken ihren Dienst verrichteten. Der Bericht stellte dazu nüchtern fest:

Leider kann man den Störfall als Höhepunkt eines langfristigen Verfalls der Sicherheitskultur sehen.

Zu den nach gemäß Selbstauskunft angeblich sichersten Kernkraftwerken der Welt meinte dann auch der Vorsitzende des staatlichen schwedischen Ausschusses für Reaktorsicherheit, Björn Karlsson, in der Zeitung "Dagens Nyheter":

"Schlimmer kann es kaum mehr kommen."

Selbstverständlich bestreiten heute die deutschen (und schwedischen) Kernkraftwerksbetreiber in Deutschland auf’s heftigste, dass es „ähnliche Sicherheitsprobleme in deutschen Kernkraftwerken“ gäbe, denn „wir haben die sichersten Kernkraftwerke der Welt“ (Originalzitat Angela Merkel). Klar: genauso sicher wie die in Schweden.

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