<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
>

<channel>
	<title>Europa im Blick</title>
	<link>http://www.europa-im-blick.de/</link>
	<description>Willkommen zu EUROPA IM BLICK, der Webzeitung f&#252;r ein anderes Europa. So sehr Ihnen auch die immergleiche Predigt zu &quot;den Folgen der Globalisierung und des demografischen Wandels&quot; andernorts auch entgegenquellen mag, hier werden sie von dergleichen Unfug verschont. Wir w&#252;nschen Ihnen erkenntnisreiche Abwechslung und zunehmend gesch&#228;rften Einblick in die verschlungenen aber dennoch lebensbestimmenden Vorg&#228;nge auf europ&#228;ischer Ebene. Das Redaktionsteam von EUROPA IM BLICK.</description>
	<language>de</language>
	<generator>SPIP - www.spip.net</generator>





	<item>
		<title>Presseerkl&#228;rung der TAZ-Auslandskorrespondenten</title>
		<link>http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article149</link>
		<guid isPermaLink="true">http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article149</guid>
		<dc:date>2010-09-14T20:33:52Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Gerold Schwarz</dc:creator>

<category domain="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?rubrique26">Reportage</category>

		<dc:subject>Editorial</dc:subject>
		<dc:subject>Mediengleichschaltung</dc:subject>

		<description>Bei der taz sitzt man demn&#228;chst im Ausland in der 2. Reihe &lt;br /&gt;Stolz hat die taz immer mit dem dichten und kompetenten Netz ihrer MitarbeiterInnen im Ausland geworben. Doch nun hat sie 14 AuslandskorrespondentInnen gek&#252;ndigt, die mit einem Pauschalvertrag an die Zeitung gebunden sind. Sie sollen neue Vertr&#228;ge erhalten, laut denen sie bei gleicher Arbeitsleistung bis 28 Prozent weniger verdienen. &lt;br /&gt;Bisher hat die Auslandsberichterstattung bei Leserumfragen immer die besten Noten im Blatt bekommen. (...)


-
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?rubrique26" rel="directory"&gt;Reportage&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?mot10" rel="tag"&gt;Editorial&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?mot36" rel="tag"&gt;Mediengleichschaltung&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;div class='rss_chapo'&gt;&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Bei der taz sitzt man demn&#228;chst im Ausland in der 2. Reihe&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Stolz hat die taz immer mit dem dichten und kompetenten Netz ihrer MitarbeiterInnen im Ausland geworben. Doch nun hat sie 14 AuslandskorrespondentInnen gek&#252;ndigt, die mit einem Pauschalvertrag an die Zeitung gebunden sind. Sie sollen neue Vertr&#228;ge erhalten, laut denen sie bei gleicher Arbeitsleistung bis 28 Prozent weniger verdienen.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Bisher hat die Auslandsberichterstattung bei Leserumfragen immer die besten Noten im Blatt bekommen. Damit k&#246;nnte es demn&#228;chst vorbei sein, denn die Korrespondenten m&#252;ssen sich de facto nach weiteren Einnahmequellen umsehen, um die entstandene L&#252;cke zu f&#252;llen. Damit droht die T&#228;tigkeit f&#252;r die taz zur Nebenerwerbsstelle f&#252;r die KorrespondentInnen zu werden - und damit wird die Qualit&#228;t der Auslandsberichterstattung unweigerlich sinken.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&#8222;Wem 10, 20 oder noch mehr Prozent von Lohn und Gehalt gek&#252;rzt werden, der muss auf die Stra&#223;e gehen&#8220;. (taz am 6. Mai 2010, Seite 1, Kommentar zur Griechenlandkrise)&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Wir sollen f&#252;r die gleiche Arbeit wesentlich weniger verdienen. In Griechenland h&#228;lt die taz das f&#252;r nicht hinnehmbar - im eigenen Hause aber schon. Begr&#252;ndet wird das mit den gestiegenen Kosten der Auslandsberichterstattung bei der taz. Aber warum sind die Kosten gestiegen? Im Blatt nimmt das Ausland einen immer gr&#246;&#223;eren Raum ein, nicht nur auf den Auslandsseiten. Genau aus dieser positiven Entwicklung soll jetzt denen ein Strick gedreht werden, die dazu beigetragen haben.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Ausgerechnet eine &#8222;linke Zeitung&#8220;, die in diesem Jahr erstmals seit ihrer Gr&#252;ndung keine roten Zahlen schreibt, will sparen, indem sie langj&#228;hrige MitarbeiterInnen, die f&#252;r die taz in zahlreichen Krisen weltweit Kopf und Kragen riskiert haben, auf eine Minipauschale setzt.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Was ist der taz die Auslandsberichterstattung noch wert?&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;fragen wir und wehren uns. Zun&#228;chst haben wir uns an die Besitzer der taz, die Genossenschaft, gewandt, mit der Forderung, bei ihrer Jahresversammlung am 18. September darauf hinzuwirken, dass die K&#252;ndigungen zur&#252;ckgenommen werden.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Zugleich m&#252;ssen wir uns jetzt aber vorsorglich nach weiteren Auftraggebern umsehen. Unter dem Titel: &#8222;Taz-KorrespondentInnen suchen weitere Arbeit&#8220; werden wir uns vom Mittwoch, dem 15.9.2010 bis zur Genossenschaftsversammlung am 18.9. nach weiteren Erwerbsquellen umsehen. In diesen Tagen stehen wir aus Zeitmangel der taz nicht zur Verf&#252;gung. Da wir gezwungen sind, die uns mit der K&#252;ndigung entstehenden finanziellen L&#252;cken zu f&#252;llen, muss die taz zun&#228;chst in diesen Tagen ohne uns auskommen.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Das ist eine Aktion, die wir auch stellvertretend f&#252;r viele andere Kollegen durchf&#252;hren, gegen einen Trend in zahlreichen Medien, die durch Absenkung der Bezahlung und &quot;Flexibilisierung&quot; ihrer Mitarbeiter die Qualit&#228;t der Berichterstattung ernsthaft gef&#228;hrden.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Rudolf Balmer (Paris), Michael Braun (Rom), Gerhard Dilger (Porto Alegre), Karim El-Gawhary (Kairo), Ralf Sotscheck (Dublin), Reiner Wandler (Madrid), Daniela Weing&#228;rtner (Br&#252;ssel), J&#252;rgen Gottschlich (Istanbul), Susanne Knaul (Jerusalem), Andreas Zumach (Genf)&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Kontakt:
&lt;br /&gt; Andreas K&#246;hn (Ver.di Berlin) andreas.koehn@verdi.de
&lt;br /&gt; Karim El-Gawhary (Kairo) gawhary@taz.de, 0020-12-3182271
&lt;br /&gt; J&#252;rgen Gottschlich (Istanbul) juergeng@superonline.com 0090 - 532 - 717 83 29
&lt;br /&gt; Reiner Wandler (Madrid) wandler@taz.de 0034 91 5279632
&lt;br /&gt; Daniela Weing&#228;rtner (Br&#252;ssel) weingaertner@taz.de,&#160;0032-486 06 66 22&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		

	</item>



	<item>
		<title>Das neue BKA-Gesetz und die Gefahren f&#252;r die Demokratie</title>
		<link>http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article147</link>
		<guid isPermaLink="true">http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article147</guid>
		<dc:date>2008-11-21T19:54:41Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Christine Wicht</dc:creator>

<category domain="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?rubrique30">&#220;berwachungsstaat</category>

		<dc:subject>Entrechtung / Demokratieabbau</dc:subject>
		<dc:subject>Gl&#228;serner Mensch</dc:subject>

		<description>Auch mit diesem neuen Gesetz zur inneren Sicherheit werden die verfassungsrechtlichen Grenzen der Staatsgewalt und &#8222;Geist der Verfassung&#8220; unter dem Vorwand der Terrorismusbek&#228;mpfung aufgeweicht. Die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit wird seit Jahren zugunsten der Sicherheit gef&#228;hrdet. Das Grundgesetz wird mit immer neuen Sicherheitsgesetzen bis an die Grenzen strapaziert und zu oft sind die Grenzen schon &#252;berschritten worden, wie etwa beim gro&#223;en Lauschangriff, beim Luftsicherheitsgesetz (...)

-
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?rubrique30" rel="directory"&gt;&#220;berwachungsstaat&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?mot19" rel="tag"&gt;Entrechtung / Demokratieabbau&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?mot34" rel="tag"&gt;Gl&#228;serner Mensch&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;div class='rss_chapo'&gt;&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Auch mit diesem neuen Gesetz zur inneren Sicherheit werden die verfassungsrechtlichen Grenzen der Staatsgewalt und &#8222;Geist der Verfassung&#8220; unter dem Vorwand der Terrorismusbek&#228;mpfung aufgeweicht. Die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit wird seit Jahren zugunsten der Sicherheit gef&#228;hrdet. Das Grundgesetz wird mit immer neuen Sicherheitsgesetzen bis an die Grenzen strapaziert und zu oft sind die Grenzen schon &#252;berschritten worden, wie etwa beim gro&#223;en Lauschangriff, beim Luftsicherheitsgesetz oder beim nordrhein-westf&#228;lischen Verfassungsschutzgesetz. Die dort beschlossenen freiheitsbeschr&#228;nkenenden Regelungen wurden vom Bundesverfassungsgericht kassiert.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Wenn man eine Lehre aus der Geschichte ziehen kann, dann die, dass Macht und Gesetze missbraucht werden k&#246;nnen. Es lohnt sich deshalb, immer wieder an die Entstehungsgeschichte des Grundgesetzes zu erinnern und vor allem daran, dass unsere Verfassung unser Land aus den Erfahrungen des Niedergangs der Weimarer Republik und der Schreckensherrschaft des NS-Regimes freiheitlich gestalten wollte.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Am 6. November 2008 einigte sich die Regierungskoalition auf ein neues BKA-Gesetz, nach welchem ein Richter zwar eine Online-Durchsuchung anordnen muss, die ermittelten Daten aber erst anschlie&#223;end vom Datenschutzbeauftragten des Bundeskriminalamtes und von zwei weiteren Bediensteten des Bundeskriminalamts auf eine &#8220;Verletzung des Kernbereichs privater Lebensgestaltung&#8221; hin gepr&#252;ft werden.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Der SPD-Fraktionsvize Fritz-Rudolf K&#246;rper meinte dazu: &#8220;Wenn dem Datensch&#252;tzer Zweifel an der Verwertbarkeit der Daten kommen, m&#252;ssen diese dem Richter vorgelegt werden, damit werde den Anforderungen des Bundesverfassungsgerichts voll Rechnung getragen.&#8221; Au&#223;er Onlinedurchsuchungen sieht das neue BKA-Gesetz das Abh&#246;ren von Telefonaten inklusive VoIP (Telefonieren &#252;ber Computernetzwerke mittels des Internet Protokolls), die Erfassung von Verbindungs- und Standortdaten, Rasterfahndung und die optische und akustische &#220;berwachung von Wohnungen vor. Die Onlinedurchsuchung wurde bis zum Jahr 2020 befristet.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Der Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V. (Eco) sagte, dass die geh&#246;rten Experten zur Anh&#246;rung im Bundestag zu wenig Internet-Sachkunde mitbringen. Die von der Bundesregierung beabsichtigte Form der Umsetzung der Online-Durchsuchung setze weiter auf Sp&#228;hangriffe eines &#8220;Bundestrojaners&#8221;, also im Prinzip auf Verfahren, mit denen auch Kriminelle Angriffe auf Computer durchf&#252;hren, um zum Beispiel Daten auszusp&#228;hen oder die Kontrolle &#252;ber fremde Rechner zu erlangen. Jedes der m&#246;glichen technischen Verfahren zur Online-Durchsuchung sei deshalb mit enormen Risiken behaftet. Der Vorstandsvorsitzende von Eco, Prof. Michael Rotert: &#8220;Technisch gesehen ist eine Online-Durchsuchung nichts anderes als erfolgreiches Hacking. Wenn der Staat vorhandene Sicherheitsl&#252;cken nutzt, um die &#220;berwachungssoftware einzuschleusen, dann setzt er sich dem Verdacht aus, sein Wissen um diese Sicherheitsl&#252;cken geheim zu halten und damit normale Internetnutzer zu gef&#228;hrden. Es werde auch das Vertrauen der Anwender in Online-Anwendungen von Beh&#246;rden wie zum Beispiel die elektronische Steuererkl&#228;rung ELSTER wird sehr stark leiden, wenn solche Anwendungen f&#252;r die Online-Durchsuchung eingesetzt werden. Letztendlich k&#246;nnte sogar die Akzeptanz von eGovernment generell sinken.&#8221;
(Quelle: &lt;a href=&quot;http://www.teltarif.de/arch/2008/kw38/s31292.html&quot; class=&quot;spip_out&quot;&gt;teltarif.de&lt;/a&gt;).&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Der nordrhein-westf&#228;lische Innenminister Ingo Wolf (FDP) warnte vor einem deutschen FBI und &#228;u&#223;erte sich zum neuen BKA-Gesetz folgenderma&#223;en. &#8220;Dem BKA wird eine Reihe neuartiger Befugnisse gegeben. Reichweite und Unbestimmtheit sind rechtsstaatlich bedenklich. Vor allem die Befristung der Regelung zur Onlinedurchsuchung auf 12 Jahre ist ein Treppenwitz&#8221;.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Mit dem neuen BKA-Gesetz bestimmt in Sachen Terrorismus nun das Bundeskriminalamt, also die Polizei und als oberste Beh&#246;rde das Bundesministerium des Innern. Damit ist nicht mehr der Generalbundesanwalt sondern der Innenminister, Wolfgang Sch&#228;uble, entscheidungsbefugt. In Artikel 19 (4) Grundgesetz steht geschrieben: &#8222;Wird jemand durch die &#246;ffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt, so steht ihm der Rechtsweg offen. Soweit eine andere Zust&#228;ndigkeit nicht begr&#252;ndet ist, ist der ordentliche Rechtsweg gegeben.&#8220; Dieser Grundsatz wurde mit dem neuen BKA-Gesetz umgangen. Da B&#252;rger ohne ihr Wissen ausgesp&#228;ht werden, merken sie nicht, wenn die &#246;ffentliche Gewalt sie in ihren Rechten verletzt und sie k&#246;nnen sich logischer Weise auch nicht dagegen wehren.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Eine Demokratie lebt vom Engagement der B&#252;rger, sagte einer der V&#228;ter des Grundgesetzes, der Staatsrechtler und SPD-Abgeordnete Carlo Schmid: &#8222;Freiheit ist nicht ohne Verantwortung und Demokratie nicht ohne Gerechtigkeit und B&#252;rgersinn m&#246;glich.&#8220; 1948 hat der parlamentarische Rat eine Verfassung ausgearbeitet, die vor allem die Freiheits- und B&#252;rgerrechte dauerhaft sichern sollte. Es sollte eine Verfassung f&#252;r ein Land sein, das sich nach dem NS-Regime neu gestalten wollte. Carlo Schmid, hat am 1. September 1978, 30 Jahre nach bestehen des Grundgesetzes, einen Aufsatz &#252;ber die Entstehung des Grundgesetzes verfasst. Seiner Auffassung nach gibt das Grundgesetz einer bestimmten Staatsmoral Ausdruck. Diese beruhe auf dem Postulat, dass die staatliche Ordnung nicht als Selbstzweck, sondern auf den Menschen hin erdacht sei. Ihr vornehmster Zweck sei, diesem die Freiheiten zu verb&#252;rgen, kraft derer er innerhalb der ihn umgebenden Lebenswirklichkeit seine Gaben zu seinem und dem allgemeinen Nutzen entfalten und so Wesensbejahung als Mensch und B&#252;rger finden k&#246;nne. Dieser Satz sei nicht das Produkt dogmatischer Spekulationen, sondern Ergebnis einer freien Entscheidung f&#252;r ein bestimmtes Menschenbild, das dem Selbstbewusstsein der Deutschen dieser Zeit entspreche und angesichts dessen der Staat nichts anderes sein k&#246;nne als eine dienende Kraft. Daraus ergeben sich die Grenzen der Staatsgewalt. Sie habe &#252;berall dort Halt zu machen, wo sie die unver&#228;nderlichen Ideen der Menschenw&#252;rde, der Freiheit und der Gerechtigkeit verletzen m&#252;sse. F&#252;r Carlo Schmid finden diese Rechte ihre Erg&#228;nzung in der Bereitschaft der B&#252;rger, gegen&#252;ber der im Staate zusammengefassten Lebensgemeinschaft Pflichten, zu &#252;bernehmen und den vom Gesetz geforderten Beitrag f&#252;r die Erhaltung ihres Staates zu leisten. Doch d&#252;rfe der Pflichtenkreis nie so weit gezogen werden, dass das Individuum zum blo&#223;en Gegenstand der Staatsr&#228;son werde. Das Grundgesetz will nicht, dass der Mensch verstaatlicht oder vergesellschaftet wird; es will Staat und Gesellschaft vermenschlichen.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Diese verfassungsrechtlichen Grenzen der Staatsgewalt und der &#8222;Staatsmoral&#8220; werden unter dem Vorwand der Terrorismusbek&#228;mpfung immer mehr aufgeweicht. Die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit wird seit Jahren zugunsten der Sicherheit gef&#228;hrdet. Das Grundgesetz wird mit immer neuen Sicherheitsgesetzen bis an die Grenzen strapaziert und zu oft sind die Grenzen schon &#252;berschritten worden, wie etwa beim gro&#223;en Lauschangriff, beim Luftsicherheitsgesetz oder beim nordrhein-westf&#228;lischen Verfassungsschutzgesetz. Die dort beschlossenen freiheitsbeschr&#228;nkenenden Regelungen wurden vom Bundesverfassungsgericht kassiert. Weitere Verfahren, etwa &#252;ber die Vorratsdatenspeicherung stehen in Karlsruhe an. Immer ging es um die Wahrung der Menschenw&#252;rde und um den Schutz des Kernbereichs privater Lebensgestaltung.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Der ehemalige BND-Chef, Prof. Dr. Hansj&#246;rg Geiger, ist als ehemaliger Chef des Verfassungsschutzes, fr&#252;herer Chef des Bundesnachrichtendienstes und Staatssekret&#228;r a.D. im Bundesinnenministerium mit seiner beruflichen Biografie gewiss unverd&#228;chtig, die Erfordernisse der inneren Sicherheit zu vernachl&#228;ssigen. Deshalb sollen gerade Geigers Bedenken, die er in seiner &lt;a href=&quot;http://www.bundestag.de/ausschuesse/a04/anhoerungen/Anhoerung15/Stellungnahmen_SV/Stellungnahme_08.pdf&quot; class=&quot;spip_out&quot;&gt;Stellungnahme (PDF - 116 KB)&lt;/a&gt; zum BKA-Gesetz vor dem Innenausschuss des Bundestags vorgetragen hat, zitiert werden:&lt;/p&gt; &lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Europa und damit auch Deutschland sind von terroristischen Anschl&#228;gen bedroht. Deshalb hat der Staat die notwendigen Vorkehrungen zu treffen, um akuten Gef&#228;hrdungen durch den internationalen Terrorismus zu begegnen und die Sicherheit der Bev&#246;lkerung best m&#246;glich zu gew&#228;hrleisten. Bei aller berechtigten Sorge um die Sicherheit, muss aber klar bleiben, wof&#252;r das Grundgesetz steht, wo die Grenzen staatlicher Eingriffe liegen und welche Werte im Rechtsstaat verteidigungswert sind. Deshalb kann Sicherheit und k&#246;nnen Ma&#223;nahmen, diese zu gew&#228;hrleisten, nie alleiniger Ma&#223;stab sein. Es ging und geht immer um die Garantie der Menschenw&#252;rde und um die vom Grundgesetz gebotene Balance zwischen Freiheit und Sicherheit. Der Gesetzgeber ist aufgerufen, die hierzu erforderlichen verfahrensrechtlichen Vorkehrungen normenklar zu treffen.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&#220;ber den Schutz des Kernbereichs privater Lebensgestaltung sagt Geiger:&lt;/p&gt; &lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Das Bundesverfassungsgericht hat eindeutig klargestellt, dass der Kernbereich privater Lebensgestaltung, also der absolut gesch&#252;tzte Achtungsanspruch des Einzelnen auf Wahrung seiner W&#252;rde, ungeachtet des Gewichts der betroffenen Verfassungsg&#252;ter jedem Eingriff des Staates entzogen bleiben muss (BVerfGE 115, 320/358 f.). Dieser Kernbereich ist keiner Abw&#228;gung mit noch so bedrohlichen Gefahren und noch so wichtigen staatlichen Aufgaben zug&#228;nglich. Hier hat der Staat au&#223;en vor zu bleiben. Auf Ma&#223;nahmen, die den Kernbereich verletzen, m&#252;ssen staatliche Stellen verzichten, und stattdessen die Gefahren des internationalen Terrorismus mit anderen Mitteln abwehren. Von dieser Linie ist das Bundesverfassungsgericht auch nicht in seiner j&#252;ngsten Entscheidung zur &#8222;Online-Durchsuchung&#8220; abger&#252;ckt (BVerfG, 1 BvR 370/07 vom 27. 2. 2008). Mit dem ausschlie&#223;lich hierf&#252;r entwickelten &#8222;Zweistufenkonzept&#8220; wird der Schutz des Kernbereichs nicht aufgeweicht, sondern im Grenzbereich durch zus&#228;tzliche verfahrensrechtliche Sicherungen gest&#228;rkt.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Der Kernbereich privater Lebensgestaltung kann insbesondere ber&#252;hrt werden durch die Anwendung der Befugnisse zur akustischen und optischen Wohnraum&#252;berwachung, der Online-Durchsuchung sowie der Telekommunikations&#252;berwachung einschlie&#223;lich der &#8222;Quellen -Telekommunikations&#252;berwachung&#8220;. Aber auch mit der l&#228;ngerfristigen Observation und der akustischen wie optischen &#220;berwachung au&#223;erhalb von Wohnungen k&#246;nnen kernbereichsrelevante Sachverhalte erfasst werden. Wegen der Bandbreite der dem Bundeskriminalamt er&#246;ffneten Befugnisse ist auch zu beachten, dass nicht durch den Einsatz mehrerer Ma&#223;nahmen, ggf. noch &#252;ber einen l&#228;ngeren Zeitraum hinweg, nahezu l&#252;ckenlos in einer Art &#8222;Rundum&#252;berwachung&#8220; alle Bewegungen und Lebens&#228;u&#223;erungen des Betroffenen registriert und zur Grundlage f&#252;r ein umfassendes Pers&#246;nlichkeitsprofil des Betroffenen werden, das die Menschenw&#252;rde verletzen w&#252;rde und deshalb unzul&#228;ssig w&#228;re (BverfGE 109, 279/323).&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Der Kernbereich privater Lebensgestaltung ist unabh&#228;ngig von der Art der einzelnen Ma&#223;nahmen zur Gefahrenabwehr zu beachten. Wegen des hohen Schutzgutes sind an die Normenklarheit von Schutzvorschriften besonders hohe Anforderungen zu stellen. Unterschiedlich hohe Zul&#228;ssigkeitsvoraussetzungen f&#252;r vergleichbare Eingriffe k&#246;nnen Anlass f&#252;r hier nicht hinzunehmende Missverst&#228;ndnisse liefern.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Daraus folgt:&lt;/p&gt; &lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Gerade wegen der Absolutheit des Kernbereichsschutzes l&#228;ge es nahe, eine &#8222;vor die Klammer&#8220; gezogene f&#252;r alle potentiellen Eingriffe geltende Regelung zu schaffen. Dann w&#228;ren jeweils einzelne Regelungen f&#252;r die verschiedenen Ma&#223;nahmen &#252;berfl&#252;ssig. Zudem w&#252;rde eine &#8222;vor die Klammer&#8220; gezogene Regelung zum Kernbereichsschutz auch f&#252;r solche Ma&#223;nahmen gelten, f&#252;r die derzeit Kernbereichsregelungen nicht vorgesehen sind.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Au&#223;erdem sollte gepr&#252;ft werden, inwieweit nicht die k&#252;rzlich mit Blick auf die aktuelle Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts &#252;berarbeiteten Regelungen in der StPO - insbesondere zur akustischen Wohnraum&#252;berwachung (&#167;&#167; 100c f. StPO) - als Muster herangezogen werden k&#246;nnten.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Geiger f&#252;hrt aus, dass durch von der Gesetzes&#228;nderung folgende Grundrechte in hohem Ma&#223;e betroffen sind: das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, das Recht auf Gew&#228;hrleistung der Vertraulichkeit und Integrit&#228;t Informationstechnischer Systeme, die Unverletzlichkeit der Wohnung und das Fernmeldegeheimnis:&lt;/p&gt; &lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Der Gesetzentwurf beachtet nicht die vom Bundesverfassungsgericht insoweit wiederholt geforderte Balance zwischen Freiheit und Sicherheit [vgl. BVerfGE 115, 320/358], die es auch bei der Bek&#228;mpfung schwerster Angriffe auf den freiheitlichen, demokratischen, Rechtsstaat und auf Menschenleben einzuhalten gilt. Dabei gibt es selbstverst&#228;ndlich keinerlei Zweifel, dass Sicherheit und Bestand des Staates sowie die von ihm &#8211; unter Achtung von W&#252;rde und Eigenwert des Einzelnen - zu gew&#228;hrleistende Sicherheit der Bev&#246;lkerung Verfassungswerte von hohem Rang sind und mit anderen hochwertigen G&#252;tern im gleichen Rang stehen [BVerfGE 49, 24/56 f.; 115, 320/346; BVerfG, 1 BvR 370/07 vom 27. 2. 2008 Absatz-Nr. 220]. Zwar ist dem Entwurf das Bem&#252;hen anzusehen, die vielfachen Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts zu ber&#252;cksichtigen. Das geht so weit, dass ein Satz aus der Urteilsbegr&#252;ndung unmittelbar w&#246;rtlich in den Gesetzestext einflie&#223;t [vgl. a.a.O. Absatz-Nr.251]. Doch geschieht dies erkennbar in einer formalen Weise, die auf die einzelnen Ma&#223;nahmen und die einzelnen Befugnisse bezogen bleibt, jedoch die Gesamtheit der Befugnisse aus den Augen verliert und somit auch nicht geeignet ist, die besondere Eingriffsintensit&#228;t der m&#246;glicherweise kumulativ anzuwendenden Ma&#223;nahmen zu ber&#252;cksichtigen. So stehen Regelungen wie Bausteine eingef&#252;gt teils beziehungslos nebeneinander. Sie lassen teilweise einen einheitlichen Duktus vermissen und zeigen, dass die hier ma&#223;geblichen Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts nicht in ihrer Gesamtheit bedacht und gew&#252;rdigt worden sind. Auch wenn sich manche Gesetzesformulierungen eng an den Wortlaut von Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts anlehnen, ber&#252;cksichtigen sie dadurch nicht zwingend den aus den verschiedenen Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts herauszulesenden &#8222;Geist der Verfassung&#8220;. Dies wird besonders deutlich, wenn einzelne Befugnisse bis zum verfassungsrechtlich noch zul&#228;ssigen ausgeweitet werden. Denn der Wesensgehalt des Grundgesetzes ergibt sich nicht nur aus einzelnen Formulierungen, sondern auch aus dem Kontext der jeweiligen verfassungsgerichtlichen Entscheidung. Im &#220;brigen treffen den Gesetzgeber andere Verpflichtungen als ein den Einzelfall behandelndes Gericht. Der Gesetzgeber muss die ma&#223;geblichen Weichenstellungen und Konkretisierungen abschlie&#223;end selbst vornehmen.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;In seinen Ausf&#252;hrungen zu Generalbundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt sieht Geiger ein enormes Konfliktpotential:&lt;/p&gt; &lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Mit den neuen Aufgaben und Befugnissen zur Abwehr von Gefahren des internationalen Terrorismus entsteht ein im Gesetzentwurf auch nicht im Ansatz gel&#246;stes neues Konfliktfeld zwischen der Generalbundesanwaltschaft als &#8222;Herrin des Ermittlungsverfahrens&#8220; und dem Bundeskriminalamt. Dies war schon bisher nicht v&#246;llig spannungsfrei &#8211; zu erinnern ist beispielsweise an die vom Bundeskriminalamt gef&#252;hrten &#8222;Strukturverfahren&#8220; zur Vorbereitung von eventuell notwendiger Strafverfolgung. Nun werden die Kompetenzen auf diesem wichtigen Kriminalgebiet un&#252;bersichtlich. Zwar scheint diese Frage auf den ersten Blick einfach zu sein. F&#252;r die Pr&#228;vention ist im Verh&#228;ltnis zur Generalbundesanwaltschaft ausschlie&#223;lich das Bundeskriminalamt zust&#228;ndig und f&#252;r die Repression bleibt es bei der Sachherrschaft der Generalbundesanwalt. Tats&#228;chlich entsteht gerade bei der Auseinandersetzung mit dem internationalen Terrorismus eine doppelte Konfliktsituation: Betrifft derselbe Lebenssachverhalt sowohl wegen einer fortdauernden Gefahrenlage die Zust&#228;ndigkeit der f&#252;r die Gefahrenabwehr verantwortlichen Polizei und wegen bereits strafbarer Vorbereitungshandlungen die Strafverfolgungskompetenz der Staatsanwaltschaft, ist die Pr&#228;ferenz der Zust&#228;ndigkeit alles andere als unumstritten (auf die umfangreiche diesbez&#252;gliche Literatur sei verwiesen). Von durchaus namhaften Stimmen wird von einem prinzipiellen Vorrang der Pr&#228;vention gegen&#252;ber der Strafverfolgung ausgegangen. Jedenfalls im Einzelfall kann durchaus der gewichtige Belang einer wirksamen Strafrechtspflege gegen&#252;ber der Gefahrenabwehr zur&#252;ckstehen m&#252;ssen (vgl. BVerfGE 29, 183/194). Dieser Rechtsstreit mag im Alltag zwischen Staatsanwaltschaft und Polizei in der Praxis keine gr&#246;&#223;ere Rolle spielen, im Verh&#228;ltnis zwischen Generalbundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt kann er eine gewichtige Bedeutung erlangen, weil die Generalbundesanwaltschaft wegen der herausgehobenen Bedeutung der von ihr zu verfolgenden Straftaten wesentlich st&#228;rker von der staatsanwaltschaftlichen Sachleitungsbefugnis Gebrauch machen muss. Die Unklarheit im Vorrang pr&#228;ventiver oder repressiver Zust&#228;ndigkeit im Einzelfall h&#228;tte ausgerechnet bei der auch juristisch h&#228;ufig diffizilen Bek&#228;mpfung des internationalen Terrorismus zur Folge, dass Streit &#252;ber die Zust&#228;ndigkeit entstehen k&#246;nnte. M&#246;glicherweise h&#228;tte nicht die Generalbundesanwaltschaft das entscheidende Wort, sondern das Bundeskriminalamt und dessen vorgesetztes Bundesministerium des Innern. Hinzu kommt, dass mit den Organisationsdelikten &#167;&#167; 129a und 129b StGB der Rechtsg&#252;terschutz durch Strafrecht wegen der besonderen Gef&#228;hrlichkeit terroristischer Vereinigungen vorverlagert worden ist. Diese Vorverlagerung soll letztlich die Begehung der in &#167; 129a StGB genannten Straftaten verhindern. Damit haben die &#167;&#167; 129a und 129b StGB eine eindeutig pr&#228;ventive Funktion (vgl. BGH NStZ 1995, 601). Geht man aber von diesem spezifisch Gefahren abwehrenden Charakter dieser Straftatbest&#228;nde aus, beginnt Strafverfolgung nicht erst mit dem Anfangsverdacht, sondern bereits mit der Pr&#252;fung und Kl&#228;rung, ob die Voraussetzungen des Anfangsverdachts f&#252;r eine verfolgbare Straftat (&#167; 152 Abs. 2 StPO) vorliegen. Dann bliebe aber wenig Raum f&#252;r pr&#228;ventive Ma&#223;nahmen des Bundeskriminalamts: Das potentielle Konfliktfeld zwischen Bundeskriminalamt / Bundesministerium des Innern und Generalbundesanwaltschaft wird damit jedenfalls noch deutlicher (&#8230;)&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Die Bek&#228;mpfung des internationalen Terrorismus ist aber zu wichtig und damit verbunden auch die Verantwortlichkeit f&#252;r die Ma&#223;nahmen, die zur Erhebung von personenbezogenen Daten eingesetzt werden d&#252;rfen, als dass es einer zu einem noch nicht absehbaren sp&#228;teren Zeitpunkt hierzu ergehenden Rechtsprechung &#252;berlassen werden d&#252;rfte, wie diese Kompetenzen klar abgegrenzt werden m&#252;ssen. Vielmehr ist hier der Gesetzgeber gefordert, bereits mit der &#220;bertragung der neuen Aufgaben und Befugnisse an das Bundeskriminalamt diese Frage klar zu beantworten. Wie die Verfasser des Gesetzentwurfs die Antwort sehen, l&#228;sst sich aus Seite 54 der Begr&#252;ndung entnehmen: &#8222;Ist eine Straftat im Sinne von &#167; 4a Abs.1 Satz 2 beendet und erw&#228;chst aus ihr auch sonst keine weitere Gefahr oder kein fortdauernder Schaden f&#252;r die &#246;ffentliche Sicherheit, kommt nur eine T&#228;tigkeit des Bundeskriminalamts im Rahmen der Strafverfolgung in Betracht.&#8220; Damit w&#228;re nach dieser Auffassung wohl auch erst dann der f&#252;r die Strafverfolgung verantwortliche Generalbundesanwalt zust&#228;ndig. Dies kann der Gesetzgeber nicht wollen. Zugespitzt bedeutete dies im Ergebnis, dass die Generalbundesanwaltschaft keine Ermittlungen wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung f&#252;hren d&#252;rfte, wenn diese noch keinen Anschlag ver&#252;bt oder versucht h&#228;tte. Hier besteht die Gefahr einer weitgehenden Verschiebung der Zust&#228;ndigkeit zur Terrorismusbek&#228;mpfung von der Generalbundesanwaltschaft zum Bundeskriminalamt.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Daraus folgt:&lt;/p&gt; &lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Das Bundeskriminalamt muss verpflichtet werden, die Generalbundesanwaltschaft umgehend zu unterrichten, sobald es auf Grund der neuen Kompetenzen bei der Bek&#228;mpfung des internationalen Terrorismus t&#228;tig wird. Die Generalbundesanwaltschaft erh&#228;lt damit zumindest Gelegenheit selbst umgehend zu pr&#252;fen, ob sie ebenfalls zust&#228;ndig ist, und kann dann ggf. ihren Aufgaben sofort nachkommen.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;K&#252;nftig kann das Bundesinnenministerium allein schalten und walten, die Bedenken des Generalbundesanwalts haben keine Relevanz mehr. Des Weiteren kann das BKA nun zu geheimen Ermittlungsmethoden greifen, welche bislang Geheimdienste f&#252;r ihre Ermittlungst&#228;tigkeit benutzten.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Geiger spricht von einer ver&#228;nderten Sicherheitsarchitektur&lt;/p&gt; &lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Wie eingangs angesprochen, verschiebt sich mit dem Bedeutungszuwachs des Bundeskriminalamts durch neue Aufgaben und Befugnisse das Gef&#252;ge zwischen den Sicherheitsbeh&#246;rden auf Bundes- und Landesebene. Die nun entstehenden Doppelzust&#228;ndigkeiten der Polizeien der L&#228;nder und des Bundeskriminalamts werden in &#167; 4a nicht normenklar geregelt: Das Bundeskriminalamt &#8222;kann&#8220; Aufgaben der Gefahrenabwehr &#252;bernehmen. Die Befugnisse der L&#228;nder und anderer Polizeibeh&#246;rden des Bundes &#8222;bleiben unber&#252;hrt&#8220;. Die Aufgabenwahrnehmung erfolgt in gegenseitigem &#8222;Benehmen&#8220;, also ohne notwendige Einigung. Die somit er&#246;ffneten Doppelzust&#228;ndigkeiten gef&#228;hrden die Effektivit&#228;t der Ma&#223;nahmen, ganz abgesehen davon, dass Betroffene m&#246;glicherweise doppelt und damit ggf. unverh&#228;ltnism&#228;&#223;ig von gegen sie gerichteten Ma&#223;nahmen erfasst werden k&#246;nnen. Au&#223;erdem ist die politische Verantwortlichkeit ausgerechnet in den brisanten F&#228;llen des internationalen Terrorismus schwieriger festzustellen.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Daraus folgt:&lt;/p&gt; &lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Gesetzestext und Begr&#252;ndung zu &#167; 4a m&#252;ssen pr&#228;zisiert werden. Wegen der &#220;berlagerung der Aufgaben der Nachrichtendienste mit denen des Bundeskriminalamts und anderen Polizeibeh&#246;rden, die sich schon seit l&#228;ngerem abzeichnet (vgl. etwa das Gemeinsame Dateiengesetz), sollte die jetzt anstehende Gesetzgebung zum Anlass genommen werden, auch insoweit Klarheit zu schaffen. Eine Diskussion um das Trennungsgebot wird zunehmend theoretisch, wenn die Aufgabenfelder sich teilweise &#252;berlagern und urspr&#252;nglich nachrichtendienstliche, &#8222;heimliche &#8220; Ermittlungsmethoden weitgehend auch den Polizeibeh&#246;rden zur Verf&#252;gung stehen.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;In &#167; 4a Abs. 1 Satz 1werden dem Bundeskriminalamt die Aufgabe der Abwehr des internationalen
Terrorismus zugewiesen.&lt;/p&gt; &lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&#167; 4a
Abwehr von Gefahren des internationalen Terrorismus
(1) Das Bundeskriminalamt kann die Aufgabe der Abwehr von Gefahren des internationalen Terrorismus in F&#228;llen wahrnehmen, in denen&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;eine l&#228;nder&#252;bergreifende Gefahr vorliegt,&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;die Zust&#228;ndigkeit einer Landespolizeibeh&#246;rde nicht erkennbar ist&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;oder&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;die oberste Landesbeh&#246;rde um eine &#220;bernahme ersucht.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;(Siehe den &lt;a href=&quot;http://www.cducsu.de/Titel__BKA_Gesetz/TabID__1/SubTabID__2/InhaltTypID__12/InhaltID__1968/BtID__1968/Inhalte.aspxhttp://&quot; class=&quot;spip_out&quot;&gt;Gesetzentwurf und seine Begr&#252;ndung zum Download&lt;/a&gt;)&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Geiger moniert das Fehlen einer Definition des Begriffs &#8222;Terrorismus&#8220; oder gar des &#8222;Internationalen Terrorismus&#8220;. Da diese Begriffe aber konstitutiv f&#252;r die erstmalige Zuweisung von Aufgaben im Bereich der Pr&#228;vention an das Bundeskriminalamt sind und sich daraus auch die Abgrenzung zu den entsprechenden Aufgaben der Polizeien der L&#228;nder ergibt, sollten diese Begriffe nach Meinung Geigers ausdr&#252;cklich im Gesetz und nicht nur in der Begr&#252;ndung
definiert werden. Allerdings bliebe die Begr&#252;ndung viel zu vage und m&#252;sse dringend einschr&#228;nkend formuliert werden, wenn die Voraussetzungen f&#252;r eine Zust&#228;ndigkeit des Bundeskriminalamts bei lediglich in Deutschland t&#228;tigen Gruppen bereits erf&#252;llt sein k&#246;nnen &#8222;durch Einbindung in international propagierte ideologische Str&#246;mungen&#8220; (Begr&#252;ndung, Seite 50).&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&#8222;Anders als in &#167; 20a Abs. 2, der eine im Einzelfall bestehende Gefahr, also eine konkrete Gefahr f&#252;r die Anwendung der Befugnisse nach &#167;&#167; 20b ff. voraussetze, belasse es &#167; 4a Abs. 1 Satz 1 bei der &#8222;Abwehr von Gefahren&#8220;, womit eine abstrakte Gef&#228;hrdung ausreichen w&#252;rde. Wenn wie in der Begr&#252;ndung ausgef&#252;hrt aber auch insoweit nur das Vorliegen einer konkreten Gefahr erfasst sein soll, w&#228;re dies, um Missverst&#228;ndnisse mit Blick auf die pr&#228;zisere Formulierung in &#167; 20a Abs. 2 zu vermeiden, klarzustellen.&#8220;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Auch der ehemalige Bundesinnenminister Gerhard Baum (FDP), der schon mehrfach mit seinen Verfassungsbeschwerden gegen &#220;berwachungsgesetze und zuletzt noch gegen die Online-Untersuchung durch das nordrhein-westf&#228;lische Verfassungsschutzgesetz vor dem Bundesverfassungsgericht erfolgreich geklagt hat, sieht das BKA-Gesetz als verfassungswidrig an:
Quelle: &lt;a href=&quot;http://www.taz.de/1/politik/schwerpunkt-ueberwachung/artikel/1/ich-fuehle-mich-zur-klage-verpflichtet/&quot; class=&quot;spip_out&quot;&gt;taz&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&#8222;Die Bundesregierung hat es wieder nicht geschafft, den Kernbereich privater Lebensf&#252;hrung ausreichend zu sch&#252;tzen. Das ist nicht nur eine rechtspolitische Kritik, dadurch wird die BKA-Novelle vielmehr verfassungswidrig. Teilweise fehlt der Schutz des Kernbereichs ganz, teilweise gen&#252;gt er nicht den Anforderungen des Bundesverfassungsgerichts.&#8220;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Bei der Online-Durchsuchung&lt;/p&gt; &lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;wird der Gesetzentwurf den Karlsruher Anforderungen nicht gerecht. Eine Aussp&#228;hung des Computers muss laut Entwurf nur unterbleiben, wenn &#8220;allein&#8221; Erkenntnisse aus dem Kernbereich privater Lebensgestaltung erlangt w&#252;rden. Das wird nat&#252;rlich nie der Fall sein. Auf einem Computer finden sich ja immer auch weniger private Inhalte (&#8230;)&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Wenn man Online-Durchsuchungen &#252;berhaupt f&#252;r n&#246;tig und sinnvoll h&#228;lt - ich tue das nicht! - dann m&#252;sste der Zugriff auf den Computer immer dann ausgeschlossen sein, wenn es Indizien gibt, dass der private Kernbereich betroffen sein k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Die im Gesetz vorgesehene L&#246;schung von privaten Inhalten aus der kopierten Festplatte eines &#252;berwachten Computers durch BKA-Bedienstete und den BKA-Datenschutzbeauftragten sieht Baum als ungen&#252;gend an:&lt;/p&gt; &lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Sie k&#246;nnen von BKA-Beamten doch keine wirklich unabh&#228;ngige Pr&#252;fung erwarten. Selbst wenn private Dateien wieder gel&#246;scht werden, besteht die Gefahr, dass die Ermittler aus diesen pers&#246;nlichen Informationen neue Ermittlungsans&#228;tze gewinnen&#8230;Auch der BKA-Datenschutzbeauftragte ist nicht so neutral und unabh&#228;ngig wie ein Richter. Ich frage mich, warum die Koalition hier unbedingt die Einschaltung eines Richters verhindern will.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;(Siehe auch die Zusammenstellung kritischer Einw&#228;nde gegen das BKA-Gesetz auch unter &lt;a href=&quot;http://netzpolitik.org/2008/heute-ist-bka-gesetz-tag/&quot; class=&quot;spip_out&quot;&gt;netzpolitik.org&lt;/a&gt;)&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Wenn Bef&#252;rworter des BKA-Gesetzes auf die Gefahren einer ver&#228;nderten &#8222;Sicherheitsarchitektur&#8220;, auf die Verschiebung der Balance zwischen Freiheit und Sicherheit, zugunsten der Sicherheit und zu Lasten der B&#252;rgerfreiheit oder auf den ausufernden Pr&#228;ventionsstaat, auf die Vermengung geheimdienstlicher und polizeilicher Aufgaben auf die auswuchernde &#220;berwachung angesprochen werden, dann wird regelm&#228;&#223;ig eingewandt, dass wir doch in einer funktionierenden Demokratie lebten und ein Missbrauch durch staatliche Organe nicht m&#246;glich w&#228;re.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Wer auf diese Hoffnung setzt, muss daran erinnert werden, dass keine gesetzliche Erm&#228;chtigung dauerhaft vor Missbrauch gesch&#252;tzt ist. Wie sagte doch Angela Merkel anl&#228;sslich des 60-j&#228;hrigen Jubil&#228;ums der CDU:&lt;/p&gt; &lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Man muss immer wieder an historische Parallelen erinnern, um aus der Geschichte zu lernen.
Ist es nicht so gewesen, dass Hitler legal an die Macht gekommen ist und jedenfalls zu Beginn seiner Machtergreifung auf die vorhandenen gesetzlichen Erm&#228;chtigungen zur&#252;ckgreifen konnte, um den demokratischen Widerstand gegen seine Tyrannei auszuschalten?&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Es gibt ernst zu nehmende Stimmen, die die aktuelle Finanzkrise mit dem B&#246;rsen-Crash am Ende der Weimarer Republik vergleichen. Es gibt dar&#252;ber hinaus durchaus Parallelen zur damaligen Situation: Auch damals hatte Deutschland eine Situation in der die Industrien Exportsteigerungen verzeichnen konnten und wo sich die Reall&#246;hne nicht erh&#246;hten. Die wirtschaftliche Macht konzentrierte sich zunehmend auf einige wenige Unternehmen. Dazu geh&#246;rte IG-Farben und die Vereinigten Stahlwerke. Es gab zahlreiche Firmenzusammenbr&#252;che z.B. des Stinneskonzerns, der 2888 Firmen umfasste. Im Winter 1928/29 stieg die Arbeitslosigkeit auf &#252;ber 2 Millionen. In den 1920er Jahren wurde der Ausbau des Sozialstaates der Weimarer Republik vorangetrieben, 1927 st&#228;rkte die Arbeitslosenversicherung die Position der Gewerkschaften. Unter den Arbeitgebern entwickelte sich zusehends Unmut f&#252;r die sozialen Kosten aufkommen zu m&#252;ssen. 1930 wurde die 40-Stunden-Woche mit dem Ziel die Massenarbeitslosigkeit zu bek&#228;mpfen, eingef&#252;hrt. Arbeitgeber im Bergbausektor verlangten 1930 von den Arbeitnehmern 12,5 Prozent Lohnverzicht. Die Reichsregierung unter Reichskanzler Hermann M&#252;ller (SPD) trat im M&#228;rz 1930 zur&#252;ck, da es seiner Koalition, die aus f&#252;nf Parteien bestand, nicht gelungen war, bez&#252;glich der Reform der Arbeitslosenversicherung eine Einigung zu erzielen. Reichspr&#228;sident Hindenburg beauftragte Heinrich Br&#252;ning mit der Bildung einer neuen Regierung.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Ende des Jahres 1930 ist die Arbeitslosigkeit auf 4,4 Millionen angestiegen. W&#228;hrend des Jahres 1931 radikalisiert sich der innenpolitische Kampf. Die Regierung von Heinrich Br&#252;ning stellte sich auf die Seite der Arbeitgeber, als der Zechenverband im Januar 1931, 295 000 Arbeitern k&#252;ndigte, die zum Teil zu schlechteren Arbeitsbedingungen wieder eingestellt werden sollten. Die Massenk&#252;ndigung wurde zwar wieder zur&#252;ckgenommen, die L&#246;hne jedoch um sechs Prozent gek&#252;rzt worauf die Familien der Arbeiter in Not und Armut lebten. Die Binnennachfrage war am Boden und das Vertrauen in Politik und Demokratie ebenfalls. Die SPD, der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB), die Arbeitersportverb&#228;nde und der sozialdemokratische Kampfbund Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold gr&#252;nden am 16. Dezember 1931 die Eiserne Front, mit dem Ziel die Weimarer Republik gegen die Nationalsozialisten zu verteidigen. Im Dezember 1931 stieg die Arbeitslosigkeit auf 5,66 Millionen an. Aus der Stimmung im Volk, die durch Hoffnungslosigkeit, Ratlosigkeit und Arbeitslosigkeit gepr&#228;gt war, entwickelte sich eine politische Radikalisierung. Die extrem rechte antisemitische Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) und die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) konnte enorme Zuw&#228;chse verzeichnen. Die paramilit&#228;rischen Verb&#228;nde der politisch kontr&#228;ren Parteien (SA, Sturmabteilung und Roter Frontk&#228;mpferbund), lieferten sich Stra&#223;enk&#228;mpfe, die Situation nahm b&#252;rgerkriegs&#228;hnliche Ausma&#223;e an.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Ende 1930/Anfang 1931 wurde von Reichspr&#228;sident Paul von Hindenburg die &#8220;erste Notverordnung zur Ausschreitungen&#8221;, womit die Versammlungsfreiheiten eingeschr&#228;nkt und das Verbot politischer Druckerzeugnisse wie Plakate oder Flugbl&#228;tter eingef&#252;hrt wurde. Dar&#252;ber hinaus erm&#246;glichte die Verordnung, politischen Vereinigungen das Tragen bestimmter Kleidung oder Abzeichen zu untersagen. Zur Reichspr&#228;sidentenwahl am 13.M&#228;rz 1932 erhielt der Amtsinhaber Paul von Hindenburg mit 49,6 Prozent nicht die absolute Mehrheit. Sein st&#228;rkster Konkurrent um das Amt des deutschen Staatsoberhauptes war Adolf Hitler (NSDAP), der 30,1 Prozent der Stimmen erhielt. Am 13. April 1932 hatte Reichswehrminister Wilhelm Groener auf der Grundlage der &#8222;Notverordnung zur Sicherung der Staatsautorit&#228;t&#8220; sowohl Hitlers &#8222;Sturmabteilung&#8220; (SA) als auch die &#8222;Schutzstaffel&#8220; (SS) verboten. Die Landtagswahlen in Bayern, W&#252;rttemberg, Preu&#223;en, Anhalt und Sachsen brachten der NSDAP starke Zuw&#228;chse. Die Regierung unter Reichskanzler Heinrich Br&#252;ning bef&#252;rchtete einen Putschversuch der rechtsradikalen Organisationen. Zudem sollte dem wachsenden politischen Stra&#223;enterror Einhalt geboten werden. Schon zwei Monate sp&#228;ter wurde das Verbot jedoch wieder aufgehoben. Im Mai 1932 trat Br&#252;ning zur&#252;ck, Hindenburg beauftragte Franz von Papen mit der Bildung einer Regierung. Das Kabinett Franz von Papens wurde von nahezu allen Reichstagsparteien &#8211; mit Ausnahme der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) &#8211; abgelehnt. Als erste Amtshandlung l&#246;ste der Reichskanzler das Parlament auf. Adolf Hitler stellt Papen seine politische Unterst&#252;tzung in Aussicht, sofern das im April verh&#228;ngte Verbot von &#8222;Sturmabteilung&#8220; (SA) und &#8222;Schutzstaffel&#8220; (SS) wieder aufgehoben werde. Dieser Forderung kam von Papen am 12. Juni nach. Am 20. Juli 1932 setzt Paul von Hindenburg mittels einer Notverordnung die legitime preu&#223;ische Regierung unter Ministerpr&#228;sident Otto Braun (SPD) ab. An dessen Stelle Franz von Papen als Reichskommissar tritt. Damit verliert die SPD ihre letzte wichtige Regierungsposition im Reich. Bei den Reichstagwahlen im Juli 1932 erh&#228;lt die NSDAP 37,3 Prozent der Stimmen und ist somit st&#228;rkste Partei im Reichstag. Die Regierung von Papen stellt im August 1932 ein neues Wirtschaftsprogramm vor, das einen freiwilligen Arbeitsdienst und Steuergutscheine f&#252;r Unternehmen beinhaltete, die neue Arbeitskr&#228;fte einstellten. Diese sollten jedoch durch niedrige L&#246;hne und die Senkung der Arbeitslosenunterst&#252;tzung finanziert werden, was zu zahlreichen Streiks f&#252;hrte. Bei den Reichstagswahlen im November 1932 erh&#228;lt die NDSAP 33,1 Prozent der Stimmen, alle Parteien im Reichstag mit Ausnahme der Deutschnationalen Volkspartei verweigern der Regierung Papen die Unterst&#252;tzung, worauf der Kanzler am 17. November 1932 seinen R&#252;cktritt einreicht. W&#228;hrend eines Gespr&#228;chs, das Hindenburg mit Hitler f&#252;hrte, verlangte dieser f&#252;r den Fall der Berufung zum Reichskanzler weitreichende Kompetenzen (Erm&#228;chtigungsgesetz). Hindenburg lehnt zu diesem Zeitpunkt diese Forderung ab und ernennt General Kurt von Schleicher zum neuen Reichskanzler. Schleicher hat den Plan durch den Reichsorganisationsleiter Georg Strasser, die NSDAP zu spalten und mit Hilfe von Neuwahlen eine Regierung mit Strasser auf die Beine zu stellen. Er schl&#228;gt die Gr&#252;ndung einer partei&#252;bergreifenden Gewerkschaftsfront vor. Zun&#228;chst findet der Vorschlag die Zustimmung des linken Fl&#252;gels der NSDAP, da die Arbeitslosigkeit katastrophale Ausma&#223;e angenommen hatte, jedoch nicht die Zustimmung Hitlers, der daraufhin mit Unterst&#252;tzung Goebbels, Strasser isolierte, was letztendlich zu seiner Entlassung f&#252;hrte. Am 28. Januar tritt Schleicher zur&#252;ck, da Hindenburg seinen Vorschlag einer befristeten Diktatur, zur letzten M&#246;glichkeit, die Ernennung Hitlers als Reichskanzler zu vermeiden, ablehnt. Am 30. Januar ernennt Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;(Quelle: &lt;a href=&quot;http://www.bwbs.de/bwbs_biografie/Verbot_von_SA_und_SS_B1067.html&quot; class=&quot;spip_out&quot;&gt;bwbs.de&lt;/a&gt; und der gro&#223;e Ploetz, 2008).
Die am 28. Februar 1933 erlassene &#8222;Verordnung des Reichspr&#228;sidenten zum Schutz von Volk und Staat&#8220; und setzte die Grundrechte der Weimarer Verfassung au&#223;er Kraft, dieser Wendepunkt war entscheidend f&#252;r Hitler, da er mit dieser Verordnung den demokratischen Rechtsstaat beseitigte. Die Verordnung erkl&#228;rte Hausdurchsuchungen, Eingriffe in das Post-, Brief, Telegrafen- und Fernsprechgeheimnis, Versammlungsrecht, Beschr&#228;nkungen zur freien Meinungs&#228;u&#223;erung und Beschlagnahmungen f&#252;r legal. Die von Reichspr&#228;sident von Hindenburg, Reichskanzler Adolf Hitler, Reichsminister des Innern Frick und Reichsminister der Justiz Dr. G&#252;rtner unterzeichnete Verordnung ebnete den Weg von der Weimarer Republik zur totalit&#228;ren Diktatur mit den bekannten Auswirkungen f&#252;r alle, die sich bis dahin noch dem Nationalsozialismus entgegenstellten.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Geschichte wiederholt sich nicht, aber wenn man aus der Geschichte etwas lernen kann, dann das, dass Macht und Gesetze missbraucht werden k&#246;nnen.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Wir leben in krisenhaften Zeiten. Was w&#228;re, wenn sich die Krise weiter versch&#228;rfte? Was w&#228;re, wenn sich in Deutschland ein &#8222;Haider&#8220; oder &#8222;Le Pen&#8220; f&#228;nde? Was w&#228;re, wenn rechtsextreme, demokratiefeindliche Kr&#228;fte an Macht und Einfluss gew&#246;nnen? Was w&#228;re, wenn sie zur Erhaltung ihrer Macht und zur Bek&#228;mpfung ihrer Gegner den &#8222;Terrorismusverdacht&#8220; missbrauchten?&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Was w&#228;re, wenn solche Machthaber mit Hilfe der F&#252;lle der bereits eingef&#252;hrten &#220;berwachungsma&#223;nahmen, der Aufl&#246;sung der Trennung zwischen Milit&#228;r und Polizei und einem BKA, das keiner parlamentarischen Kontrolle unterliegt, in Deutschland ausgestattet w&#228;ren?&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Ist es wirklich die Sorge vor dem &#8222;Terrorismus&#8220; oder steht vielleicht dahinter auch die Angst vor den Auswirkungen der derzeitigen Politik und vor krisenhaften Zuspitzungen? Sollen B&#252;rger im Vorfeld &#252;berwacht und ausgesp&#228;ht werden, als Pr&#228;ventivma&#223;nahme, um Aufst&#228;nde, Demonstrationen und Streiks bereits im Keim ersticken zu k&#246;nnen?&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Es w&#228;re nicht das erste Mal, dass Widerstand gegen eine herrschende Macht zum &#8222;Terrorismus&#8220; erkl&#228;rt w&#252;rde.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		

	</item>



	<item>
		<title>Ohne die geringsten Skrupel fahren unsere Eliten Europa gegen die Wand</title>
		<link>http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article146</link>
		<guid isPermaLink="true">http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article146</guid>
		<dc:date>2008-11-21T08:37:10Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Gerold Schwarz</dc:creator>

<category domain="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?rubrique19">Europ&#228;ische Integration</category>

		<dc:subject>Durchsetzung von Eliteninteressen</dc:subject>

		<description>In der heutigen Jungen Welt findet sich ein Artikel von Andreas Wehr, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Linksfraktion im Europ&#228;ischen Parlament. Der Artikel sagt im Grunde alles, was es &#252;ber das niedertr&#228;chtige Wirken von Deutschlands Eliten bei der Europ&#228;ischen Integration zu sagen gibt, und spart auch nicht die ebenso sch&#228;ndliche Reaktion der franz&#246;sischen Eliten aus. F&#252;r mich einmal mehr eine Best&#228;tigung daf&#252;r, dass es ohne den kompletten Austausch vorrangig der verabscheungsw&#252;rdigen deutschen (...)

-
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?rubrique19" rel="directory"&gt;Europ&#228;ische Integration&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?mot38" rel="tag"&gt;Durchsetzung von Eliteninteressen&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;div class='rss_chapo'&gt;&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;In der heutigen Jungen Welt findet sich ein Artikel von Andreas Wehr, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Linksfraktion im Europ&#228;ischen Parlament. Der Artikel sagt im Grunde alles, was es &#252;ber das niedertr&#228;chtige Wirken von Deutschlands Eliten bei der Europ&#228;ischen Integration zu sagen gibt, und spart auch nicht die ebenso sch&#228;ndliche Reaktion der franz&#246;sischen Eliten aus. F&#252;r mich einmal mehr eine Best&#228;tigung daf&#252;r, dass es ohne den kompletten Austausch vorrangig der verabscheungsw&#252;rdigen deutschen Eliten kein wie auch immer geartetes &quot;gutes Europa&quot; geben wird oder auch nur geben kann, also insb. kein soziales, &#246;kologisches, friedliches, freies, gerechtes oder sonstwas Europa.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Wenngleich dieser Elitenaustausch noch lange nicht durch Wahlen alleine zu bewirken ist, stellen Wahlen n&#228;chstes Jahr hierzulande schon immerhin 7 Gelegenheiten bereit, zumindest einen Teil des politischen Arms elit&#228;rer Niedertracht in die W&#252;ste zu schicken. Dies muss aber begleitet werden durch den individuellen oder kollektiven fortdauernden Einsatz, unsere sch&#228;ndlichen Eliten an jedem sich bietenden Ort ihrer wohlmanik&#252;rte Maske zu berauben: am Arbeitsplatz, an den Bildungseinrichtungen, beim Einkauf, in &#246;ffentlichen Verkehrsmitteln, im privaten Raum, einfach &#252;berall. Wir bekommen genau diejenigen Eliten, die wir zulassen.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Unten angeh&#228;ngt findet sich der betreffende Artikel (&lt;a href=&quot;http://www.jungewelt.de/2008/11-21/007.php&quot; class=&quot;spip_out&quot;&gt;Quelle&lt;/a&gt;).&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;hr class=&quot;spip&quot; /&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;strong class=&quot;spip&quot;&gt;Den Crash &#252;ben&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;i class=&quot;spip&quot;&gt;Paris und Berlin versuchen beiderseits, im Streit &#252;ber die Zukunft der EU ihr Konzept &#173;durchzusetzen. Ziel ist jeweils die Schw&#228;chung der Gegenseite&lt;/i&gt;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Von Andreas Wehr [&lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/#nb2-1&quot; name=&quot;nh2-1&quot; id=&quot;nh2-1&quot; class=&quot;spip_note&quot; title='[1] Andreas Wehr ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der linken Fraktion (...)' &gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Wie hie&#223; es doch noch so sch&#246;n in der Pr&#228;ambel des europ&#228;ischen Verfassungsvertrags? In der &#187;Gewi&#223;heit, da&#223; die V&#246;lker Europas, stolz auf ihre nationale Identit&#228;t und Geschichte, entschlossen sind, die alten Gegens&#228;tze zu &#252;berwinden und immer enger vereint ihr Schicksal gemeinsam zu gestalten&#171;. Doch das war gestern, vor der gro&#223;en Krise, die man als Finanzmarktkrise bezeichnet und die wom&#246;glich bald eine der Weltwirtschaft sein wird. F&#252;r solche Sentimentalit&#228;ten gibt es heute keinen Raum mehr. In der Krise denken auch die Mitgliedstaaten der EU erst einmal an sich. Da k&#228;mpft jeder gegen jeden, und es herrscht das Prinzip &#187;beggar thy neighbour&#171; &#8211; &#187;Ruiniere Deinen Nachbarn&#171;. Dies ist die Realit&#228;t in der Europ&#228;ischen Union.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Die Bruchlinie geht dabei mitten durch die EU. Wir sind Zeugen eines Kampfes um ihre Ausrichtung zwischen Paris und Berlin. Sp&#228;testens seit der Rede des franz&#246;sischen Regierungs&#173;chefs Nicolas Sarkozy vor dem Europ&#228;ischen Parlament am 21. Oktober 2008 in Strasbourg ist das Klima zwischen Frankreich und Deutschland vergiftet. Man sehe sich nur einmal die Kommentare &#252;ber den franz&#246;sischen Pr&#228;sidenten in deutschen Zeitungen und Zeitschriften an. &#187;Die Nervens&#228;ge von nebenan&#171;, titelte Focus am 12.November 2008 und ma&#223; Sarkozy h&#228;misch an Frankreichs vergangener Gr&#246;&#223;e: &#187;Wie einstmals der Sonnenk&#246;nig&#171;. Vor allem die &#220;berschriften von Artikeln und Kommentaren in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) &#252;ber den &#187;Herrn des Elys&#233;e&#171; sprechen eine unmi&#223;verst&#228;ndliche Sprache: &#187;Haltet den Staat&#171; (22.10.2008), &#187;Sarkozy braucht Grenzen&#171; (23.10.2008), &#187;Berlin: Sarkozy k&#246;nnte die EU spalten&#171; (25.10.2008), &#187;Grundlegender Dissens die Alleing&#228;nge des franz&#246;sischen Pr&#228;sidenten ver&#228;rgern nicht nur die Bundesregierung&#171;, &#187;Sarkozys Aktionismus l&#228;uft ins Leere&#171; (27.10.2008). Zwar gesteht man ihm zu, da&#223; er ein &#187;vorz&#252;glicher Feuerwehrmann&#171; sei, doch viel mehr auch nicht, denn &#187;als Architekt ist er noch nicht hervorgetreten&#171; (FAZ vom 3.11.2008). Die Kritik gipfelt schlie&#223;lich in dem Vorwurf, der franz&#246;sische Staatschef und gegenw&#228;rtige EU-Ratspr&#228;sident &#187;mi&#223;brauche einen europ&#228;ischen Konsens &#252;ber die Bew&#228;ltigung der Krise&#171; (FAZ vom 28.10.2008).&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Was ist der Grund f&#252;r dieses Zerw&#252;rfnis zwischen Berlin und Paris? Sarkozy unterbreitete in Strasbourg Vorschl&#228;ge, die der Bundesregierung ganz und gar nicht gefielen. So forderte er eine abgestimmte Wirtschaftspolitik: &#187;F&#252;r die Finanzkrise haben wir einen Instrumentenkasten vorgeschlagen, einen Fahrplan, eine Harmonisierung, eine Koordinierung. Ich denke, da&#223; wir f&#252;r die Wirtschaftspolitik dasselbe brauchen. (&#8230;) Ich verlange, da&#223; sich jeder von uns dar&#252;ber Gedanken macht, ob es nicht n&#252;tzlich sein k&#246;nnte, wenn auch wir in jedem unserer L&#228;nder Staatsfonds schaffen und wir diese nationalen Staatsfonds ab und zu koordinieren, um eine industrielle Antwort auf die Krise zu liefern?&#171; Doch damit nicht genug. Zum &#196;rger der Bundesregierung stellte er die in Deutschland als heilig angesehene Unabh&#228;ngigkeit der Europ&#228;ischen Zentralbank (EZB) in Frage, wenn auch nur mit sehr vorsichtigen Worten: &#187;Es ist nicht m&#246;glich, da&#223; der Euroraum ohne eine klar definierte Wirtschaftsregierung weitermacht. Man kann so nicht weitermachen. Ich will die EZB w&#252;rdigen, ich will meiner &#220;berzeugung Ausdruck verleihen, da&#223; die EZB unabh&#228;ngig sein mu&#223;; aber damit die EZB umfassend handeln kann, mu&#223; sie mit einer Wirtschaftsregierung sprechen k&#246;nnen.&#171; F&#252;r den tschechischen Pr&#228;sidenten V&#225;clav Klaus war damit alles klar. In einem Artikel in der Tageszeitung Mlada Fronta Dnes vom 22. Oktober wies er in die Richtung, wohin seiner Ansicht nach ein solcher Versuch stets ziele: &#187;Er nannte sich Kommunismus.&#171;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Doch mit Sozialismus oder gar Kommunismus hat der konservative franz&#246;sische Staatspr&#228;sident nat&#252;rlich nichts im Sinn. Und neu sind seine Positionen auch nicht. Bereits als franz&#246;sischer Innenminister setzte sich Sarkozy f&#252;r sie ein. Und als gew&#228;hlter Pr&#228;sident kritisierte er in seiner ersten Strasbourger Rede vor dem Europ&#228;ischen Parlament im November 2007 die EZB und ihre Unabh&#228;ngigkeit von der Politik sowie die starren Bedingungen des Stabilit&#228;ts- und Wachstumspaktes: &#187;Wenn andere L&#228;nder eine W&#228;hrungspolitik betreiben, warum sollte Europa das nicht auch tun?&#171; (Die Welt vom 14.11.2007) Und schon damals wurden seine Pl&#228;ne von der Bundesregierung zur&#252;ckgewiesen. &#187;Frau Merkel lehnte unterdessen (&#8230;) Vorschl&#228;ge aus Paris ab, k&#252;nftig sollten sich die Staats- und Regierungschefs der europ&#228;ischen Staaten, die den Euro als W&#228;hrung haben, zu institutionellen Begegnungen treffen. (&#8230;) Die W&#228;hrungspolitik unter den Euro-Staaten sei bei den Finanzministern in guten H&#228;nden. Sie warne vor der Einrichtung weiterer Gremien. Es d&#252;rfe nicht eine &#8250;gespaltene Europ&#228;ische Union&#8249; geben, &#228;u&#223;erte sie&#171; (FAZ vom 16.1.2008).&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;strong class=&quot;spip&quot;&gt;Zwei Regulierungsvarianten&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Der jetzt offen ausgebrochene Streit schwelt demnach bereits seit Jahren. Berlin lehnt die franz&#246;sische Forderung nach einer europ&#228;ischen Wirtschaftsregierung strikt ab, da man die deutschen Unternehmen als stark genug ansieht, um auch die gegenw&#228;rtigen Probleme erfolgreich bew&#228;ltigen zu k&#246;nnen. In diesem Sinne erkl&#228;rte der Sprecher der Bundesregierung, Ulrich Wilhelm, am 23. Oktober 2008: Die deutschen Unternehmen seien trotz der Krise &#187;in einer robusten Verfassung und international wettbewerbsf&#228;hig&#171;. Weitergehende Schutzma&#223;nahmen, wie sie nun Sarkozy f&#252;r Frankreich ank&#252;ndigte, halte die Bundesregierung nicht f&#252;r erforderlich. Mit Stolz weist man in Berlin regelm&#228;&#223;ig darauf hin, da&#223; Deutschland Jahr auf Jahr &#187;Exportweltmeister&#171; wird. Aber nat&#252;rlich ist auch das deutsche Kapital auf die massive Hilfe &#187;seines&#171; Staates angewiesen. Sie besteht aber meist aus unternehmensfreundlicher Rahmensetzung und weniger aus direkter Staatsintervention bzw. zielgerichteter Industriepolitik wie traditionell in Frankreich. Zum Ruf nach Teilverstaatlichungen erkl&#228;rte denn auch am 22. Oktober 2008 der Leiter der Rechtsabteilung des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), Heiko Willems: &#187;Das entspricht &#252;berhaupt nicht unserer ordnungspolitischen Ausrichtung.&#171;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;In der bundesdeutschen Politik besteht dar&#252;ber ein breiter Konsens. Auch die SPD teilt, sp&#228;testens seit dem Ausscheiden von Oskar Lafontaine aus der &#187;rot-gr&#252;nen&#171; Bundesregierung im Jahr 1999, diese Position. So hatte zwar Au&#223;enminister Frank-Walter Steinmeier im Vorfeld des Weltfinanzgipfels am 15. November 2008 einen &#187;Europ&#228;ischen Zukunftspakt f&#252;r Arbeit&#171; vorgeschlagen. Mit Blick auf Sarkozys Forderungen hei&#223;t es jedoch in dem Papier, eine europ&#228;ische &#187;Wirtschaftsregierung&#171; als Gegengewicht zur EZB werde nicht gebraucht. Allein der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten im Europ&#228;ischen Parlament, Martin Schulz, fand Gefallen an den Vorschl&#228;gen aus Paris. Gegen&#252;ber der FAZ erkl&#228;rte er, da&#223; er es zwar &#187;erstaunlich finde, da&#223; ein Konservativer wie Sarkozy nun die Stamokap-Theorie aus den siebziger Jahren&#171; durchsetze. Wenn aber &#187;f&#252;r Banken ein staatlicher Schutzschirm gespannt wird, sollte das auch f&#252;r andere Unternehmen m&#246;glich sein&#171; (FAZ vom 24.10.2008).&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Mit seiner Erinnerung an die Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus lag Schulz gar nicht falsch, auch wenn die Vertreter der sogenannten Stamokap-Fraktion bei den Jungsozialisten den staatsmonopolitischen Kapitalismus nat&#252;rlich vehement kritisierten und nicht, wie Schulz sich zu erinnern glaubt, &#187;durchsetzen&#171; wollten. Doch in der Tat ist das, was wir gegenw&#228;rtig als Streit zwischen Deutschland und Frankreich in der EU wahrnehmen, im Kern ein Konflikt zweier staatsmonopolistischer Regulierungsvarianten. Und dieser Konflikt durchzieht das deutsch-franz&#246;sische Verh&#228;ltnis seit den f&#252;nfziger Jahren. Er ist damit pr&#228;gend f&#252;r die widerspruchsvolle Entwicklung der europ&#228;ischen Integration von ihrem Beginn an.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;strong class=&quot;spip&quot;&gt;Deutsche Hegemonie in Europa&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;In einer 1967 vorgelegten Analyse der ersten zehn Jahre der Europ&#228;ischen Wirtschaftgemeinschaft (EWG) hei&#223;t es &#252;ber die deutsche Ablehnung der damals von Frankreich geforderten Programmierungskonzeption f&#252;r die EWG: &#187;Dieser Argumentation liegt im wesentlichen die auf einer Reihe von Gebieten vorhandene &#220;berlegenheit der westdeutschen Monopole gegen&#252;ber ihren Konkurrenten zugrunde. Diese (Monopole &#8211; A.W.) glauben, ihre Vorteile ohne eine Programmierung, angelehnt an die franz&#246;sische Praxis, besser und das hei&#223;t profitabler zur Geltung zu bringen.&#171; [&lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/#nb2-2&quot; name=&quot;nh2-2&quot; id=&quot;nh2-2&quot; class=&quot;spip_note&quot; title='[2] Rudi G&#252;ndel, Horst Heninger, Peter Hess, Kurt Zieschang: Zur Theorie des (...)' &gt;2&lt;/a&gt;] Vorausgesagt wurde dort, da&#223; sich dieser Gegensatz vertiefen werde: &#187;Aber die Reibungen und Konflikte auf all diesen Gebieten zwischen den Partnern nehmen zweifellos weiter zu und verlangsamen diesen Proze&#223; (der internationalen Zusammenarbeit &#8211; A. W.). Eine Rolle spielen dabei die Folgen der ungleichm&#228;&#223;igen Entwicklung. Die westdeutschen Industriemonopole, die schon vorher in vielen Bereichen &#252;berragende Positionen innehatten, vermochten in den letzten Jahren ihr wirtschaftliches Gewicht weiter zu erh&#246;hen. Das veranla&#223;te die herrschenden Kreise Frankreichs zur Vorsicht in der Frage des Verzichts auf die Hebel der nationalen Souver&#228;nit&#228;t.&#171; [&lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/#nb2-3&quot; name=&quot;nh2-3&quot; id=&quot;nh2-3&quot; class=&quot;spip_note&quot; title='[3] Ebd., S. 314' &gt;3&lt;/a&gt;] In den sechziger Jahren kam es dann auch zu der vom damaligen franz&#246;sischen Pr&#228;sidenten Charles de Gaulle betriebenen &#187;Politik des leeren Stuhls&#171;, mit der Paris seine Abneigung gegen&#252;ber weiteren, vor allem von der Bundesrepublik geforderten, Integrationsschritten zum Ausdruck brachte.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Am Ende der sechziger Jahren wandelte sich die franz&#246;sische Europapolitik. Grund war das Erstarken der nationalen Monopole. Der europ&#228;ische Rahmen sollte fortan dazu dienen, die wirtschaftliche Macht der Bundesrepublik einzuhegen und f&#252;r die Entwicklung der &#252;brigen Mitgliedstaaten, nicht zuletzt f&#252;r Frankreich, nutzbar zu machen. Das spektakul&#228;rste Projekt auf diesem Weg war die Schaffung einer W&#228;hrungsunion. Sie zielte darauf, die &#187;Herrschaft der Bundesbank in der europ&#228;ischen Geld- und W&#228;hrungspolitik zu brechen und die D-Mark als europ&#228;ische Leitw&#228;hrung zu entmachten&#171;. [&lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/#nb2-4&quot; name=&quot;nh2-4&quot; id=&quot;nh2-4&quot; class=&quot;spip_note&quot; title='[4] Gerhard Brunn: Die Europ&#228;ische Einigung von 1945 bis heute, Stuttgart (...)' &gt;4&lt;/a&gt;] Vorangetrieben wurde dieses Vorhaben von Jacques Delors, dem Finanzminister Fran&#231;ois Mitterrands. Die entscheidenden Schritte zur Schaffung einer W&#228;hrungsunion erfolgten bereits 1988/89, also noch vor der deutschen Einigung.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Doch die damit angestrebte Begrenzung der Macht der Bundesrepublik gelang nicht. In den Verhandlungen &#252;ber die europ&#228;ische W&#228;hrungsunion erreichte es die Bundesregierung, da&#223; Organisation und Aufgaben der Europ&#228;ischen Zentralbank weitgehend dem Modell der Bundesbank angeglichen wurden. Als eine von der Politik unabh&#228;ngige Institution wurde die EZB zu einem Ebenbild der Bundesbank. Und wie bei ihrem Vorbild ist die Wahrung der Preisstabilit&#228;t auch die zentrale Aufgabe der EZB. Hinzu kam der von Bundesfinanzminister Theodor Waigel durchgesetzte Stabilit&#228;tspakt, der den L&#228;ndern der Eurozone ein eisernes Korsett der Haushaltsdisziplin auferlegt. Zwar gelang es Paris, diesen Pakt um die Zielstellung des Wachstums zu erg&#228;nzen, um daraus den Stabilit&#228;ts- und Wachstumspakt zu machen, doch in der Sache &#228;nderte das nichts. Unter seinen Bedingungen ist eine offensive Konjunkturpolitik nicht m&#246;glich. Die vertraglich festgelegte Wirtschafts- und W&#228;hrungspolitik der EU entspricht so in idealer Weise den Interessen des deutschen Kapitals, dessen Unternehmen zu den st&#228;rksten auf dem Weltmarkt geh&#246;ren. Mit einer starken W&#228;hrung, wie sie der Euro von Beginn an ist, k&#246;nnen sie gut leben. Auf andere Volkswirtschaften, etwa auf die griechische, portugiesische, spanische, italienische und franz&#246;sische, trifft dies aber nicht zu, und so werden in der Konkurrenzf&#228;higkeit die Abst&#228;nde unter den L&#228;ndern der Eurozone immer gr&#246;&#223;er. Das f&#252;hrt in der gegenw&#228;rtigen Krise dazu, da&#223; Eurol&#228;nder mit hoher Staatsverschuldung wie Italien oder Griechenland h&#246;here Zinsen auf ihre Staatsanleihen zahlen m&#252;ssen als Deutschland. Die &#187;M&#228;rkte&#171; strafen auf diese Weise schw&#228;chere Volkswirtschaften ab.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Die Europapolitik von Sarkozy entspricht der von Frankreich seit Jahrzehnten in der EU verfolgten Strategie. Und der &#187;Achsenpartner Deutschland steht f&#252;r all das, was Sarkozy mi&#223;billigt: Deutschland ist Erfinder des Stabilit&#228;tspakts, H&#252;ter der unabh&#228;ngigen Zentralbank, Verfechter der f&#252;hrenden Rolle der NATO bei der Verteidigung Europas und versteht sich unter Merkel als entscheidender Vermittler zwischen den gegens&#228;tzlichen Interessen der EU-Mitgliedsnationen&#171;. [&lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/#nb2-5&quot; name=&quot;nh2-5&quot; id=&quot;nh2-5&quot; class=&quot;spip_note&quot; title='[5] Theo Wentzke: La Grande Nation &#8211; zu klein, in: junge Welt vom (...)' &gt;5&lt;/a&gt;] An dieser deutschen Rolle des &#187;Vermittlers zwischen den gegens&#228;tzlichen Interessen der EU-Mitgliedsnationen&#171; scheiterte erst k&#252;rzlich die franz&#246;sische Idee einer Mittelmeerunion. Anfangs war sie als Gegengewicht gegen die deutsche Vorherrschaft in Osteuropa konzipiert und sollte nur die Anrainerstaaten des Mittelmeers umfassen. Es war f&#252;r Angela Merkel ein leichtes, dagegen die nord- und osteurop&#228;ischen Staaten in Stellung zu bringen. Am Ende stand ein Kompromi&#223;, der vom urspr&#252;nglichen franz&#246;sischen Plan so gut wie nichts mehr &#252;brig lie&#223;.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;strong class=&quot;spip&quot;&gt;Eine EU-Wirtschaftsregierung?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Genauso wird es der von Paris vorgeschlagenen Wirtschaftsregierung ergehen, soll doch auch sie nur einen Teil der EU-Mitgliedsl&#228;nder, die 15 L&#228;nder der Eurozone, umfassen und aus deren Staats- und Regierungschefs gebildet werden. &#187;Nach meiner Vorstellung &#252;brigens ist die wahre Wirtschaftsregierung der Eurogruppe eine Eurogruppe, die sich auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs trifft&#171;, so Sarkozy in Strasbourg. Aus Berlin kam umgehend die ablehnende Antwort darauf, da eine solche Wirtschaftsregierung nur einen Teil der Mitgliedstaaten umfasse und sie zudem gar kein vertraglich verankertes Gremium der Union sei. &#187;Aus dem Kanzleramt&#171; erfuhr die FAZ, da&#223; &#187;Sarkozys Initiative (&#8230;) die Gefahr einer Spaltung der EU berge und sie &#8250;an den Nerv&#8249; der Union (r&#252;hre), weil sie den Binnenmarkt betreffe&#171; (FAZ vom 25.10.2008). Auch von der Gefahr der &#187;Entstehung eines Direktoriums&#171; der Euro-L&#228;nder war sogleich die Rede.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;In der deutschen Linkspartei wurden die Vorschl&#228;ge des franz&#246;sischen Pr&#228;sidenten hingegen positiv aufgenommen. Die Idee der Schaffung von Staatsfonds f&#252;r die Industrie wurde begr&#252;&#223;t, erm&#246;glicht sie doch eine &#214;ffnung der Diskussion hin zu einer anderen Logik des Wirtschaftens. Und Oskar Lafontaine erkl&#228;rte, da&#223; mit einer Wirtschaftsregierung in der EU &#187;einer europ&#228;ischen Geldpolitik endlich auch eine europ&#228;ische Finanz- und Wirtschaftspolitik gegen&#252;berstehe&#171; (FAZ vom 27.10.2008). Die von Sarkozy angesto&#223;ene Diskussion bietet dar&#252;ber hinaus weitere wichtige Ankn&#252;pfungspunkte f&#252;r die Linke. Vorstellungen von Vergesellschaftung und Planung k&#246;nnen mit ihrer Hilfe in die politische Diskussion &#252;ber Auswege aus der Krise eingebracht werden. Geteilt wird dort auch die Kritik an einer von der Politik abgeschirmten EZB, die den &#187;M&#228;rkten&#171; erst den ungehinderten Zugriff auf die Geld- und W&#228;hrungspolitik der EU gestattet. Was den Stabilit&#228;ts- und Wachstumspakt angeht, so ist er ein klassisches Produkt neoliberalen Denkens und steht einer Krisenbew&#228;ltigung im Weg. Kein Interesse besteht in der Linken auch an der Fortexistenz einer Beihilfepolitik der EU, die f&#252;r die Zerst&#246;rung gro&#223;er Teile der Daseinsvorsorge ihrer Mitgliedsl&#228;nder verantwortlich zeichnet.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;strong class=&quot;spip&quot;&gt;Franz&#246;sische Doppelstrategie&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Sarkozy ist aber bestenfalls ein Stichwortgeber f&#252;r all das. Ihm selbst geht es um etwas ganz anderes. &#187;Europa mu&#223; die Neugr&#252;ndung des Kapitalismus voranbringen&#171;, erkl&#228;rte er in Strasbourg. Wenige Tage darauf erl&#228;uterte er in einer Rede in der franz&#246;sischen Provinz, was er darunter versteht: &#187;Weniger Spekulation, weniger Rendite, aber mehr Freiheit f&#252;r das Unternehmertum und mehr Belohnung f&#252;r Anstrengungen.&#171; Daf&#252;r will er in Frankreich neben der direkten Staatsintervention die Gewerbesteuer f&#252;r alle neuen Investitionen bis Anfang 2010 auf Null setzen, Laden&#246;ffnungszeiten am Sonntag lockern, &#187;B&#252;rokratie, Abgaben und unproduktive Staatsausgaben&#171; abbauen. Die Politik der Deregulierung und des Staatsumbaus zugunsten der Monopolinteressen soll sich beschleunigen. Den Takt dazu schl&#228;gt die franz&#246;sische Finanzministerin Cristine Lagarde. Sie hat 20 Jahre bei internationalen Anwaltsfirmen gearbeitet, zuletzt bei Baker &amp; McKenzie in Chicago. Sie verk&#246;rpert die klassische neoliberale Elite.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Sarkozy verfolgt mithin eine Doppelstrategie. Im Land will er durch massiven Druck auf Gewerkschaften und politische Linke in k&#252;rzester Frist einen Sozialabbau nachholen, wie ihn Deutschland unter &#187;Rot/Gr&#252;n&#171; zwischen 1999 und 2005 erlebte. Dieser Umverteilung von unten nach oben verdankt das deutsche Kapital ja in einem nicht geringen Ma&#223;e seine gegenw&#228;rtig hohe Wettbewerbsf&#228;higkeit. Zugleich will Sarkozy diesen Kurs nach au&#223;en absichern, denn &#8211; anders als in Deutschland &#8211; mu&#223; eine solche Politik in Frankreich aufgrund der relativen Schw&#228;che seines Kapitals durch massive Staatsinterventionen gest&#252;tzt werden. Dazu bedarf es einer Aufweichung des Br&#252;sseler Verbots staatlicher Beihilfen f&#252;r notleidende Unternehmen, eines niedrig bewerteten Euro, um auch den nicht so konkurrenzf&#228;higen franz&#246;sischen Betrieben Chancen auf dem Weltmarkt zu geben, und schlie&#223;lich eines flexibler gehandhabten Stabilit&#228;ts- und Wachstumspaktes, um eine h&#246;here Staatsverschuldung zu erm&#246;glichen, da nur dann gro&#223;z&#252;gige St&#252;tzungsprogramme aufgelegt werden k&#246;nnen.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;All dies steht im Hintergrund des aktuellen Streits zwischen Berlin und Paris. Es ist die Konkurrenz zweier imperialistischer L&#228;nder, die hier ausgefochten wird. Als Kampfboden dient dabei die EU. Der Streit bietet zugleich eine Lehrstunde f&#252;r all jene, die immer noch glauben, da&#223; die EU nicht von den Widerspr&#252;chen zwischen ihren Mitgliedsl&#228;ndern gepr&#228;gt ist. Bereits vor mehr als 40 Jahren schrieb man dazu: &#187;Nicht zuletzt in diesen Widerspr&#252;chen, die sich ja wesentlich aus der monopolistischen Eigentumsstruktur herleiten, zeigt sich, da&#223; die EWG weder ein Produkt historischer Folgerichtigkeit noch der Baustein einer, auf neue Art funktionierenden Weltwirtschaft ist. Sie k&#246;nnte es nur in dem Ma&#223;e werden, wie sie sich, anstatt unter F&#252;hrung und gem&#228;&#223; den Interessen der Monopole, unter der Kontrolle gesamtgesellschaftlicher Organe weiterentwickelt.&#171; [&lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/#nb2-6&quot; name=&quot;nh2-6&quot; id=&quot;nh2-6&quot; class=&quot;spip_note&quot; title='[6] Rudi G&#252;ndel, Horst Heninger, Peter Hess, Kurt Zieschang: Zur Theorie des (...)' &gt;6&lt;/a&gt;] Die sich in der heutigen Krise versch&#228;rfenden Interessensgegens&#228;tze zwischen diesen Monopolen und &#187;ihren&#171; Staaten zeigen, da&#223; diese Aussagen weiterhin g&#252;ltig sind.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;p class=&quot;spip_note&quot;&gt;[&lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/#nh2-1&quot; name=&quot;nb2-1&quot; class=&quot;spip_note&quot; title=&quot;Notizen 2-1&quot;&gt;1&lt;/a&gt;] Andreas Wehr ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der linken Fraktion GUE/NGL des Europ&#228;ischen Parlaments und dort Koordinator im Ausschuss f&#252;r Wirtschaft und W&#228;hrung&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip_note&quot;&gt;[&lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/#nh2-2&quot; name=&quot;nb2-2&quot; class=&quot;spip_note&quot; title=&quot;Notizen 2-2&quot;&gt;2&lt;/a&gt;] Rudi G&#252;ndel, Horst Heninger, Peter Hess, Kurt Zieschang: Zur Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus, Berlin/DDR 1967, S. 313&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip_note&quot;&gt;[&lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/#nh2-3&quot; name=&quot;nb2-3&quot; class=&quot;spip_note&quot; title=&quot;Notizen 2-3&quot;&gt;3&lt;/a&gt;] Ebd., S. 314&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip_note&quot;&gt;[&lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/#nh2-4&quot; name=&quot;nb2-4&quot; class=&quot;spip_note&quot; title=&quot;Notizen 2-4&quot;&gt;4&lt;/a&gt;] Gerhard Brunn: Die Europ&#228;ische Einigung von 1945 bis heute, Stuttgart 2004, S. 261&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip_note&quot;&gt;[&lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/#nh2-5&quot; name=&quot;nb2-5&quot; class=&quot;spip_note&quot; title=&quot;Notizen 2-5&quot;&gt;5&lt;/a&gt;] Theo Wentzke: La Grande Nation &#8211; zu klein, in: junge Welt vom 18.4.2008&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip_note&quot;&gt;[&lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/#nh2-6&quot; name=&quot;nb2-6&quot; class=&quot;spip_note&quot; title=&quot;Notizen 2-6&quot;&gt;6&lt;/a&gt;] Rudi G&#252;ndel, Horst Heninger, Peter Hess, Kurt Zieschang: Zur Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus, a.a.O., S. 316&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		

	</item>



	<item>
		<title>Osteuropa: Kapitalflucht und B&#246;rsendramatik</title>
		<link>http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article145</link>
		<guid isPermaLink="true">http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article145</guid>
		<dc:date>2008-10-22T19:04:00Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Infoseite Polen</dc:creator>

<category domain="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?rubrique15">Finanzm&#228;rkte</category>

		<dc:subject>Polen</dc:subject>
		<dc:subject>Deregulierung</dc:subject>
		<dc:subject>Monetarismus</dc:subject>

		<description>Der wichtigste Warschauer B&#246;rsenindex, WIG 20, verlor heute 7,6 %, der Zloty st&#252;rzte weiter ab. Die polnische W&#228;hrung verlor innerhalb von zwei Tagen allein gegen&#252;ber dem Euro 27 Groszy oder 7,6 % an Wert und notierte heute am fr&#252;hen Abend bei 3,81. Gegen&#252;ber dem Dollar vollzog sich der Absturz noch dramatischer. Der WIG 20 erreichte nur noch 1682 Punkte, einen Tiefstand seit August 2004. &lt;br /&gt;Der Kursverfall des Zloty hatte sich auch am Nachmittag fortgesetzt, obwohl Ungarn, nach Ansicht polnischer (...)


-
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?rubrique15" rel="directory"&gt;Finanzm&#228;rkte&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?mot3" rel="tag"&gt;Polen&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?mot17" rel="tag"&gt;Deregulierung&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?mot33" rel="tag"&gt;Monetarismus&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;div class='rss_chapo'&gt;&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Der wichtigste Warschauer B&#246;rsenindex, WIG 20, verlor heute 7,6 %, der Zloty st&#252;rzte weiter ab. Die polnische W&#228;hrung verlor innerhalb von zwei Tagen allein gegen&#252;ber dem Euro 27 Groszy oder 7,6 % an Wert und notierte heute am fr&#252;hen Abend bei 3,81. Gegen&#252;ber dem Dollar vollzog sich der Absturz noch dramatischer. Der WIG 20 erreichte nur noch 1682 Punkte, einen Tiefstand seit August 2004.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Der Kursverfall des Zloty hatte sich auch am Nachmittag fortgesetzt, obwohl Ungarn, nach Ansicht polnischer Politiker der eigentliche und ausschliessliche Krisenherd der Region, heute in einer verzweifelten Aktion seinen Leitzins von 8,5 % auf 11,5 % angehoben hatte und kurzzeitig die eigene W&#228;hrung stabilisieren konnte.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Aus Polen und den anderen mittelosteurop&#228;ischen L&#228;ndern ziehen sich momentan offenbar vor allem US-amerikanische und britische Fonds zur&#252;ck, die dringend Liquitit&#228;t in der Ursprungsw&#228;hrung ben&#246;tigen. F&#252;r Portfolio-Investoren, die sich auf den Anleihenmarkt beschr&#228;nkten, ist der R&#252;ckzug meistens sogar noch mit Gewinnen verbunden, denn dem pl&#246;tzlichen Absturz des Zloty in den letzten Wochen war seit Anfang 2007 ja eine allm&#228;hliche Kurssteigerung vorausgegangen.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Die Auswirkungen der Warschauer B&#246;rsen- und W&#228;hrungsturbulenzen sind bislang kaum abzusehen. Unmittelbar betroffen sind die nach Sch&#228;tzungen der Nationalbank NBP ca. 600.000 polnischen Haushalte, die Kredite, vor allem Hypothekenkredite, in Dollar, Euro und nicht zuletzt Schweizer Franken aufgenommen haben. Die Bedienung der Auslandsschulden (s. Artikel &#8220;Auslandsverschuldung auf Rekordstand&#8221;), die bereits heute polnischen Steuerzahlern und Arbeitnehmern hohe Belastung auferlegt, wird f&#252;r Staat und Unternehmen deutlich erschwert. Impulse f&#252;r die Exportindustrie dagegen kann man nicht erwarten, denn die wichtigsten Abnehmerl&#228;nder polnischer Industrieerzeugnisse bereiten sich auf eine Rezession vor. Ein weiter anhaltender Kursverfall des Zloty k&#246;nnte aber ein Problem der polnischen Industrie versch&#228;rfen, - die tempor&#228;re und dauerhafte Arbeitsemigration qualifizierter Facharbeiter.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Premier Tusk hat es bislang vermieden, zur aktuellen wirtschaftlichen Situation l&#228;ngere Ausf&#252;hrungen zu machen. Sein Finanzminister Rostowski hatte bis vor kurzem stoisch erkl&#228;rt, die internationale Finanzmarktkrise sei eigentlich kein polnisches Problem. Doch sp&#228;testens mit dem heutigen Tag sind Polen und die anderen viel gepriesenen &#8220;Emerging Markets&#8221; Mittelosteuropas zu Krisenl&#228;ndern erster Kategorie geworden. Eine konjunkturpolitisch kontraproduktive Zinserh&#246;hung wie in Ungarn wird man auch in Polen evtl. nicht vermeiden k&#246;nnen, um den weiteren Kapitalabfluss zu stoppen. Die Manager der internationalen Investmentbanken spekulieren evtl. sogar darauf. Kapitalverkehrskontrollen sind durch den Lissabon-Vertrag verboten. Den weigerte sich Pr&#228;sident Kaczynski zwar bislang zu unterschreiben, aber die Regierung Tusk f&#252;hlt sich daran gebunden. Mit einer &#8220;argentinischen L&#246;sung&#8221; haben wohl einige Abgeordnete der jetzt oppositionellen &#8220;Recht und Gerechtigkeit&#8221; (&#8221;PiS) l&#228;ngere Zeit gelieb&#228;ugelt. D. h. der polnische Staat w&#252;rde sich f&#252;r zahlungsunf&#228;hig erkl&#228;ren, seinen Gl&#228;ubigern eine Vergleichsquote anbieten (in Argentinien 24 %) und dann mit einer abgewerteten W&#228;hrung einen Neuanfang versuchen. Aber dieses Szenario erscheint f&#252;r ein EU-Land wenig realistisch. Wenig realistisch ist es aber m&#246;glicherweise auch, dass die Europ&#228;ische Zentralbank zugunsten der mittelosteurop&#228;ischen L&#228;nder in das Marktgeschehen eingreift, es sei denn, die spezifische Krise der MOE-L&#228;nder w&#252;rde Auswirkungen im Euro-Raum zeigen.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Es bleibt spannend in Warschau, - und nat&#252;rlich auch in Budapest, Bukarest, Wilna, Riga usw. . In Polen wird man sich vergegenw&#228;rtigen m&#252;ssen, dass der Aufstieg in die erste Liga vorl&#228;ufig gescheitert ist. Die peripheren L&#228;nder m&#252;ssen sich darauf einstellen, dass die USA und die EU-Hauptl&#228;nder bem&#252;ht sein werden, die Folgen &#8221;ihrer&#8221; Krise zu externalisieren, d. h. neben den rohstoffexportierenden L&#228;ndern auch solchen abh&#228;ngigen L&#228;ndern wie Polen anzulasten.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		

	</item>



	<item>
		<title>Im Rampenlicht: Europas schlimmste Lobbyisten zur Abstimung gestellt</title>
		<link>http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article144</link>
		<guid isPermaLink="true">http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article144</guid>
		<dc:date>2008-10-21T12:16:42Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Gerold Schwarz</dc:creator>

<category domain="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?rubrique10">Ank&#252;ndigungen</category>

		<dc:subject>Annonce</dc:subject>
		<dc:subject>Lobbyismus</dc:subject>
		<dc:subject>Durchsetzung von Eliteninteressen</dc:subject>

		<description>Bis zum 30. November ist die &#214;ffentlichkeit eingeladen, auf www.worstlobby.eu &#252;ber die irref&#252;hrendste Lobbyarbeit und die befangendsten Entscheidungstr&#228;ger abzustimmen &#8211; und so die Gewinner des Worst EU Lobbying Award 2008 und des Sonderpreises f&#252;r den schlimmsten Interessenkonflikt, den Worst Conflict of Interest Award, zu k&#252;ren. In jeder Kategorie stehen f&#252;nf Kandidaten zur Abstimmung, die aus im Laufe des Sommers online eingereichten Nominierungen ausgew&#228;hlt wurden. &lt;br /&gt;In der Kategorie Worst EU (...)


-
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?rubrique10" rel="directory"&gt;Ank&#252;ndigungen&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?mot20" rel="tag"&gt;Annonce&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?mot37" rel="tag"&gt;Lobbyismus&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?mot38" rel="tag"&gt;Durchsetzung von Eliteninteressen&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;div class='rss_chapo'&gt;Bis zum 30. November ist die &#214;ffentlichkeit eingeladen, auf www.worstlobby.eu &#252;ber die irref&#252;hrendste Lobbyarbeit und die befangendsten Entscheidungstr&#228;ger abzustimmen &#8211; und so die Gewinner des Worst EU Lobbying Award 2008 und des Sonderpreises f&#252;r den schlimmsten Interessenkonflikt, den Worst Conflict of Interest Award, zu k&#252;ren. In jeder Kategorie stehen f&#252;nf Kandidaten zur Abstimmung, die aus im Laufe des Sommers online eingereichten
Nominierungen ausgew&#228;hlt wurden.&lt;/div&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;In der Kategorie Worst EU Lobbying Award [&lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/#nb4-1&quot; name=&quot;nh4-1&quot; id=&quot;nh4-1&quot; class=&quot;spip_note&quot; title='[1] Der Preis f&#252;r das schlimmste Lobbying in der EU geht an diejenige (...)' &gt;1&lt;/a&gt;] stehen folgende Kandidaten zur Wahl:&lt;/p&gt; &lt;ul class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; Die Agrosprit-Lobby &#8211; nominiert f&#252;r ihre irref&#252;hrenden Kampagnen,
Agrotreibstoffe &#8222;gr&#252;n&#8220; zu f&#228;rben&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; Die European Alliance for Access to Safe Medicine (EAASM) &#8211; nominiert,
weil sie die Beteiligung gro&#223;er Pharmakonzerne in ihren Kampagnen
verschweigt&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; Das European Business and Parliament Scheme &#8211; nominiert daf&#252;r, dass sie Lobbyarbeit aus ihren B&#252;ros im Parlamentsgeb&#228;ude betreiben&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; Die Br&#252;sseler Lobby- und PR-Agenturen Gplus und Aspect Consulting &#8211;
nomiert f&#252;r ihre Rolle als Verbreiter von Kriegspropaganda im j&#252;ngsten
Konflikt zwischen Russland und Georgien.&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; Die International Air Transport Association (IATA) &#8211; nominiert f&#252;r
ihre irref&#252;hrende Lobby-Kampagne mit dem Ziel, Vorschriften zur CO2-Reduzierung im Luftfahrtsektor zu vermeiden&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Die Kandidaten f&#252;r den Worst Conflict of Interest Award [&lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/#nb4-2&quot; name=&quot;nh4-2&quot; id=&quot;nh4-2&quot; class=&quot;spip_note&quot; title='[2] Mit dem neuen Sonderpreis f&#252;r den schlimmsten Interessenkonflikt, dem (...)' &gt;2&lt;/a&gt;] sind:&lt;/p&gt; &lt;ul class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; Caroline Jackson (MEP) &#8211; nominiert f&#252;r ihre Doppelrolle als gew&#228;hlte
Volksvertreterin, die sich mit Umweltfragen befasst, und als Umweltberaterin bei der privatwirtschaftlichen Abfallentsorgungsfirma Shanks.&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; Piia-Noora Kauppi (MEP) &#8211; weil sie ihre Funktion als Abgeordnete des Europ&#228;ischen Parlaments missbraucht hat, um f&#252;r die Interessen ihres
zuk&#252;nftigen Arbeitgebers &#8211; einer Banken-Lobbygruppe - zu werben.&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; Klaus- Heiner Lehne (MEP) &#8211; nominiert aufgrund seiner Doppelrolle als
Europaabgeordneter und Anwalt f&#252;r EU Wettbewerbs- und Regulierungsfragen und das Ausnutzen seiner Stellung als Abgeordneter, um Anw&#228;lten die Lobbyarbeit im Dunkeln zu erm&#246;glichen.&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; Die ehemaligen EU-Kommissionsbeamten Petite, Klotz und Kj&#248;lbye &#8211;
nominiert f&#252;r ihren fliegenden Wechsel zu Anwaltskanzleien, die f&#252;r ihre
Klienten aus der Industrie Lobbyarbeit machen&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; Fritz-Harald Wenig, Generaldirektion Handel der EU-Kommission &#8211;
nominiert, da er Insider-Informationen &#252;ber Z&#246;lle an &#8222;Lobbyisten&#8220;
weitergab - die in Wirklichkeit investigative Journalisten waren.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Die kompletten Nominierungstexte finden Sie online unter
http://www.lobbycontrol.de/download/Nominierungen_WorstLobbying08.pdf&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Die Worst EU Lobbying Awards zerren ans Tageslicht, was sonst hinter den Kulissen geschieht - wie Lobbyisten die Europ&#228;ischen Entscheidungsprozesse beeinflussen. Sie beleuchten einige der umstrittenen Lobbypraktiken der vielen Tausend Lobbyisten, die die Schaltstellen der Macht in der EU belagern.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Der Worst Conflict of Interest Award (der Preis f&#252;r den schwerwiegendsten Interessenkonflikt) wurde dieses Jahr eingef&#252;hrt, um aufzuzeigen, dass die Europ&#228;ischen Institutionen ihr eigenes Haus in Ordnung bringen m&#252;ssen. In den letzten Jahren wurden zahlreiche F&#228;lle von Interessenkonflikten bekannt.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Es wurden aber nur wenige Ma&#223;nahmen getroffen, um solche Vorkommnisse in Zukunft zu vermeiden. Die nun Nominierten zeigen auf, dass striktere ethische Regeln im Europ&#228;ischen Parlament und in der Europ&#228;ischen Kommission notwendig sind.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Die Preisverleihung erfolgt dieses Jahr auch vor dem Hintergrund des
gescheiterten Versuchs der Europ&#228;ischen Kommission, mit einem freiwilligen Online-Register die Aktivit&#228;ten von Lobbyisten transparenter zu machen. Gut mehr als drei Monate nach dem Start des Registers haben sich nur 430 Lobby-Organisationen eingetragen &#8211; ein kleiner Anteil im Vergleich zur Gesamtzahl der in Br&#252;ssel t&#228;tigen Lobby-Organisationen [&lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/#nb4-3&quot; name=&quot;nh4-3&quot; id=&quot;nh4-3&quot; class=&quot;spip_note&quot; title='[3] Siehe https://webgate.ec.europa.eu/transparency/regrin/welcome.do und (...)' &gt;3&lt;/a&gt;]. Bis jetzt wirft das Register nicht das n&#246;tige Licht auf Lobby-Kampagnen oder Lobby-Firmen, was etwa Kandidaten wie EAASM oder Petit, Klotz and Kj&#248;lbye demonstrieren.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Die Online-Abstimmung f&#252;r die Worst EU Lobbying Awards endet am Sonntag, den 30. November. Die Gewinner werden im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung am Dienstag, den 9. Dezember, in Br&#252;ssel verk&#252;ndet. Die Ergebnisse werden dann auch online zur Verf&#252;gung gestellt.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Die Worst EU Lobbying Awards sind organisiert von den Nichtregierungsorganisationen Corporate Europe Observatory, Friends of the Earth Europe, LobbyControl und Spinwatch.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;F&#252;r weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Ulrich M&#252;ller, LobbyControl, +49 221 1696507 oder mobil: +49 170 3110089, u.mueller@lobbycontrol.de&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Erik Wesselius, Corporate Europe Observatory, + 31-30-2364422,
erik@corporateeurope.org&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Christine Pohl, Friends of the Earth Europe, Handy: + 32-498-492563,
Christine.pohl@foeeurope.org&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;p class=&quot;spip_note&quot;&gt;[&lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/#nh4-1&quot; name=&quot;nb4-1&quot; class=&quot;spip_note&quot; title=&quot;Notizen 4-1&quot;&gt;1&lt;/a&gt;] Der Preis f&#252;r das schlimmste Lobbying in der EU geht an diejenige
Lobby-Kampagne, die am meisten auf T&#228;uschung, irref&#252;hrende Informationen
oder andere unsaubere Lobbytaktiken zur&#252;ckgegriffen hat, um die
Entscheidungen innerhalb der EU zu beeinflussen.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip_note&quot;&gt;[&lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/#nh4-2&quot; name=&quot;nb4-2&quot; class=&quot;spip_note&quot; title=&quot;Notizen 4-2&quot;&gt;2&lt;/a&gt;] Mit dem neuen Sonderpreis f&#252;r den schlimmsten Interessenkonflikt, dem &#8222;Worst Conflict of Interest Award&#8220;, werden diejenigen Europaabgeordneten oder EU-Mitarbeiter ausgezeichnet, bei denen aufgrund ihres Hintergrunds, Nebent&#228;tigkeiten oder enger Beziehungen zu Lobbyisten ernste Bedenken bestehen, dass sie nicht mehr objektiv und im Sinne des Gemeinwohls handeln k&#246;nnen.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip_note&quot;&gt;[&lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/#nh4-3&quot; name=&quot;nb4-3&quot; class=&quot;spip_note&quot; title=&quot;Notizen 4-3&quot;&gt;3&lt;/a&gt;] Siehe https://webgate.ec.europa.eu/transparency/regrin/welcome.do und http://blog.brusselssunshine.eu/&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		

	</item>



	<item>
		<title>Oskars wundersame Welt? Oder eher ideologische Verblendung auf der anderen Seite?</title>
		<link>http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article143</link>
		<guid isPermaLink="true">http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article143</guid>
		<dc:date>2008-10-12T15:43:12Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Gerold Schwarz, Thomas M&#252;ller</dc:creator>

<category domain="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?rubrique13">Analysen</category>

		<dc:subject>Diskussion</dc:subject>
		<dc:subject>Mediengleichschaltung</dc:subject>

		<description>Selbst bei einer nur oberfl&#228;chlichen kritischen Lekt&#252;re der einschl&#228;gigen wirtschaftspolitischen Artikel in den gro&#223;en Medien Deutschlands kann man sich des Eindrucks einer einseitigen Darstellung kaum erwehren. Das sattsam bekannte Tremolo aus &quot;mehr Eigenverantwortung&quot;, Deregulierung, &quot;Privat statt Staat&quot; wird allerdings in j&#252;ngster Zeit, insbesondere angesichts der offenkundigen Wahlerfolge der Linkspartei, zunehmend erg&#228;nzt um offene und direkte Angriffe auf deren Wirtschaftspolitik, wobei (...)

-
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?rubrique13" rel="directory"&gt;Analysen&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?mot12" rel="tag"&gt;Diskussion&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?mot36" rel="tag"&gt;Mediengleichschaltung&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;div class='rss_chapo'&gt;Selbst bei einer nur oberfl&#228;chlichen kritischen Lekt&#252;re der einschl&#228;gigen wirtschaftspolitischen Artikel in den gro&#223;en Medien Deutschlands kann man sich des Eindrucks einer einseitigen Darstellung kaum erwehren. Das sattsam bekannte Tremolo aus &quot;mehr Eigenverantwortung&quot;, Deregulierung, &quot;Privat statt Staat&quot; wird allerdings in j&#252;ngster Zeit, insbesondere angesichts der offenkundigen Wahlerfolge der Linkspartei, zunehmend erg&#228;nzt um offene und direkte Angriffe auf deren Wirtschaftspolitik, wobei insbesondere die bekannteste Frontgestalt der Linken, Oskar Lafontaine, im Zentrum der Kritik steht. Exemplarisch f&#252;r dieses Vorgehen steht ein Artikel von Christian Reiermann im Spiegel vom 15. Septeber 2008, den ich im Folgenden stellvertretend f&#252;r die zunehmende Schm&#228;hkritik auf seine Stichhaltigkeit analysieren m&#246;chte. In seinem Artikel kommt Reiermann schlussendlich zu dem Ergebnis, dass Lafontaine nur l&#252;gt, die Wirklichkeit verdreht und seine Vorschl&#228;ge grunds&#228;tzlich nicht machbar sind. Doch ist dies wirklich so oder scheitert nicht der Autor vielmehr selbst an seiner eigenen ideologischen Blindheit?&lt;/div&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Ein immer wieder ge&#228;u&#223;erter Vorwurf gegen Lafontaine ist bezeichnenderweise dessen h&#228;ufige Verwendung von Daten und Fakten. Bei Reiermann h&#246;rt sich das folgenderma&#223;en an:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Gern klaubt er sich Daten und Fakten und montiert sie nach Belieben. Es entsteht ein Weltbild in Schwarzwei&#223;. Die Schlechten sind die da oben, die Guten die da unten, zu denen er gerade spricht.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;V&#246;llig ausgeblendet wird dabei jedoch, dass beispielsweise jede Bierzelt-Rede der CSU von weitaus gr&#246;&#223;erer Faktenverdreherei geschm&#252;ckt wird, ohne dass dies auch nur ein einziges Mal als &quot;Montage von Daten und Fakten&quot; bezeichnet wird. Auch der n&#228;chste Vorwurf schl&#228;gt in dieselbe Kerbe:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Mit dieser Methode jagt Lafontaine seit Monaten die Berliner Parteien vor sich her. Niemand spickt seine Reden mit so vielen Zahlen, kein anderer tritt so ungeniert im Duktus des Oberlehrers auf: er selbst im Besitz absoluter Wahrheit, die anderen verblendet von neoliberaler Ideologie.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Wenn also Steinbr&#252;ck mit unverhohlener Arroganz auftritt und beispielweise eine Woche vor der Hypo Real Estate Blamage das deutsche Bankensystem als stabil hinstellt, scheint das v&#246;llig akzeptabel, doch wenn Lafontaine mit Zahlen argumentiert, ist das verblendete Ideologie. So einfach ist das in der Welt Reiermanns, der noch nicht einmal die Pikanterie erkennt, dass ausgerechnet er als Journalist sich &#252;ber die umfangreiche Verwendung von Fakten, Daten und Zahlen in Lafontaines Vortr&#228;gen beschwert.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Interessanterweise folgt dann auch noch die kritische Erkl&#228;rung, dass &quot;Lafontaine seine Behauptungen meist unwidersprochen Dutzende Male wiederholt&quot;, gerade so, als ob die Vertreter der &lt;i class=&quot;spip&quot;&gt;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&lt;/i&gt; samt ihres journalistischen Umfelds in jeder Talkshow gleich mit drei Mann die gleichen Parolen (&#8222;mehr netto vom brutto&#8220;) nachbeten w&#252;rden. Und was w&#252;rde der Autor wohl sagen, wenn Lafontaine mal dieses und mal jedes sagt? Dass er immer wieder die gleichen Zahlen und Argumente nennt, spricht doch wohl per se kaum gegen deren Richtigkeit.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Ganz besonders kennzeichnend f&#252;r das Lafontaine-Bashing ist der immer wieder gerne vorgetragene Lamento von der Unfinanzierbarkeit seiner Vorschl&#228;ge:&lt;/p&gt; &lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Beispielhaft daf&#252;r steht, wie er 50 Milliarden Euro f&#252;r das Investitionsprogramm der Linken auftreiben will. &quot;&lt;i class=&quot;spip&quot;&gt;Die Finanzierung ist kein Problem f&#252;r eine Partei, die als einzige ein seri&#246;ses Finanzierungskonzept hat&lt;/i&gt;&quot;, r&#252;hmt sich der Vorsitzende.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Die Rezeptur ist schlicht: &quot;&lt;i class=&quot;spip&quot;&gt;Die Steuer- und Abgabenquote muss auf das europ&#228;ische Durchschnittsniveau angehoben werden.&lt;/i&gt;&quot; 120 Milliarden Euro k&#228;men so zusammen. Mit dem Geld k&#246;nnten nicht nur das Konjunkturprogramm bezahlt, sondern auch s&#228;mtliche &quot;Sozialk&#252;rzungen&quot; der vergangenen Jahre korrigiert werden.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Das d&#252;rfte nicht reichen, allein die R&#252;cknahme der K&#252;rzungen bei Rente und Krankenversicherung w&#252;rde rund hundert Milliarden Euro kosten.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Hier ist nun Lafontaine ausgerechnet deshalb der unseri&#246;se, weil alleine schon die Sozialk&#252;rzungen der letzten Jahre &#252;ber 120 Milliarden Euro liegen, die ja aufgrund der zur&#252;ckgehenden Lohnquote in Deutschland letztendlich den Beziehern von Kapitaleinkommen zugute kamen, die damit nichts besseres zu tun hatten, als sie in das internationale Finanzmarkt-Kasino zu tragen. Und aus diesem Grund w&#228;re also Lafontaines Behauptung falsch, &#8222;s&#228;mtliche&#8220; Soziak&#252;rzungen zur&#252;cknehmen zu k&#246;nnen. Dazu ist allerdings zu sagen, dass die 50 Mrd. Euro f&#252;r das Investitionsprogramm immerhin schon aufgebracht w&#228;ren, und zus&#228;tzlich auch noch 70 Mrd. f&#252;r weitere Ausgabenerh&#246;hungen. Zudem w&#252;rde ein solches Konjunkturprogamm auch zu mehr Wachstum f&#252;hren und somit auch zu neuen Mehreinnahmen. Die Behauptung, wirklich alle K&#252;rzunge kurzfristig r&#252;ckg&#228;ngig machen zu k&#246;nnen, geh&#246;rt angesichts des dramatischen Ausma&#223;es der Sozialk&#252;rzungen in den letzten Jahren wohl eher in die Kategorie der leichten &#220;bertreibung, ist aber wohl kaum als falsch zu bezeichnen.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Zur Entkr&#228;ftung Lafontaines Zahlenbasis legt der Autor jetzt nach:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Lafontaines Zahlenbasis ist eh br&#252;chig. Er legt Werte der Industriel&#228;nderorganisation OECD zugrunde, bei denen die Abgabenbelastung Deutschlands f&#252;nf Prozentpunkte unter dem EU-Schnitt liegt. Die Kalkulationen ber&#252;cksichtigen aber nur die L&#228;nder der EU vor der Osterweiterung.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Doch es gibt auch andere Zahlen. Die EU-Kommission berechnet die Abgabenlast f&#252;r die gesamte EU und kommt auf 37,1 Prozent. Deutschland liegt zwei Prozentpunkte dar&#252;ber, nicht darunter. Dieses Ergebnis rechtfertigt eher Steuersenkungen.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Allerdings verh&#228;lt es sich so, dass sich eine Steuersenkung in Deutschland sogar signifikant auf die gesamte Abgabenquote der EU auswirkt, so dass hier neuerliche Senkungen gerechtfertigt w&#228;ren. Lafontaine argumentiert doch v&#246;llig korrekt, indem er sagt, dass schon ein Anheben der Abgabenquote auf ein durchschnittliches Niveau vergleichbarer L&#228;nder viel Geld da w&#228;re.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Doch das erscheint Reiermann alles als L&#252;ge und Widerspruch:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&#8222;Mit Widerspr&#252;chen h&#228;lt sich Lafontaine nicht lange auf. Lieber listet er auf, wie er das Geld auftreiben w&#252;rde. &quot;Daf&#252;r wollen wir die Wiedereinf&#252;hrung der Verm&#246;gensteuer, die Anhebung der Erbschaftsteuer, einen h&#246;heren Spitzensteuersatz, die B&#246;rsenumsatzsteuer.&quot; Eine &quot;angemessene Unternehmensbesteuerung&quot; nat&#252;rlich auch.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Er wirft Lafontaine also eine Falschaussage vor, indem er kleinlich den von ihm verwendeten Begriff &#8222;europ&#228;isch&#8220; auf die gesamte EU bezieht, w&#228;hrend er anscheinend nur f&#252;r die EU-15 G&#252;ltigkeit hat&#8230;.na was f&#252;r eine L&#252;ge.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Doch wenn er schon keine L&#252;ge aufdecken kann, so doch immerhin &#246;konomischen Unsinn: &#8220;Risiken und Nebenwirkungen nennt er nicht. Der Kaufkraftentzug k&#228;me einer Mehrwertsteuererh&#246;hung von 15 Prozentpunkten gleich. Den Abgabenschock k&#246;nnte keine Volkswirtschaft verkraften.&#8220;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Im Gegensatz zur Mehrwertsteuererh&#246;hung, die gerade Haushalte mit einer hohen Konsum- und somit geringen Sparquote getroffen hat, w&#252;rde dies jedoch genau umgekehrt Personen mit einer hohen Sparneigung treffen und das Geld zugunsten von Haushalten mit hoher Konsumneigung umverteilen, so dass der private Konsum gest&#228;rkt w&#252;rde. Das sind Fakten, die Aussage, dass dies keine Volkswirtschaft verkraften k&#246;nne, ist dagegen eine Behauptung ohne jeden Beleg.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Doch dann entdeckt er tats&#228;chlich eine dreiste L&#252;ge: &#8222;Lafontaine aber wei&#223; es besser, schlie&#223;lich war er selbst mal Finanzminister. Er sei der Ressortchef, &quot;&lt;i class=&quot;spip&quot;&gt;der in den neunziger Jahren den Haushalt mit der geringsten Nettoneuverschuldung eingebracht hat&lt;/i&gt;&quot;, sagt er gern. Das klingt eindrucksvoll, ist aber falsch. Vorg&#228;nger Theo Waigel (CSU) lag bei vier seiner Etatentw&#252;rfe besser.&#8220;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Ob Waigel bei vier Entw&#252;rfen besser war, wei&#223; ich nicht, aber am Ende war die Netto-Neuverschuldung des Bundes 1999 die drittkleinste der 90er-Jahre, Waigel war zweimal besser. Mit 1990 und 1992 fallen allerdings beide Jahre von Waigel mitten in den Widervereinigungsboom mit ihren vergleichsweise &#252;ppigen Wachstumsraten.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Nat&#252;rlich darf auch die Agenda bei Reiermann nicht fehlen:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Lafontaine tut sich ohnehin schwer, Leistungen anderer anzuerkennen, vor allem die seines Erzrivalen Altkanzler Gerhard Schr&#246;der. Dessen Agenda 2010 gilt ihm als Attentat auf den Sozialstaat, als Kapitulation vor dem Kapital. Mit der Belebung am Arbeitsmarkt habe sie nichts zu tun.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&quot;&lt;i class=&quot;spip&quot;&gt;Der R&#252;ckgang der Arbeitslosigkeit ist wie &#252;berall in der Welt eine Folge des konjunkturellen Aufschwungs&lt;/i&gt;&quot;, doziert der Linken-Chef. Das stimmt nur zum Teil. Erstmals seit Jahrzehnten lag die Sockelarbeitslosigkeit, also jene Zahl von Arbeitslosen, die auch im Boom keinen Job bekommen, niedriger als im vorangegangenen Zyklus. Um 300.000 Personen.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Immerhin gibt der Autor hier zu, dass dies &#8222;zum Teil stimmt&#8220; und bei unbefangener Betrachtung auch mehr als das. Lafontaine hat v&#246;llig recht mit seiner Aussage, dass in den letzten Jahren die Arbeitslosigkeit &#252;berall gesunken ist, weil das BIP-Wachstum &#252;berall hoch war &#8211; Deutschland dagegen startet versp&#228;tet in den Aufschwung und erlebte dann auch den schw&#228;chten &#8222;Boom&#8220; der Nachkriegszeit. Der R&#252;ckgang der omin&#246;sen Sockelarbeitslosigkeit um &#8211; angeblich &#8211; 300.000 kann dagegen gut mit den 300.000 1-Euro-Jobs erkl&#228;rt werden, oder auch mit einem zus&#228;tzlichen R&#252;ckgang der Erwerbsbev&#246;lkerung um ca. 500.000, w&#228;hrend in fr&#252;heren Zeiten, als die Sockelarbeitslosigkeit aufgebaut wurde, auch die Erwerbsquote deutlich gestiegen ist.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Doch so ganz kann er sich noch nicht damit abfinden, dass Lafontaine recht hat:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Fr&#252;her nahm die konjunkturell unbeeinflussbare Erwerbslosigkeit von Abschwung zu Abschwung um 800.000 Menschen zu. &quot;&lt;i class=&quot;spip&quot;&gt;Wir haben wegen der Agenda 2010 1,1 Millionen Jobs mehr, als es eine Wiederholung fr&#252;herer Konjunkturmuster h&#228;tte erwarten lassen&lt;/i&gt;&quot;, sagt Hans-Werner Sinn, Pr&#228;sident des Ifo-Instituts.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Ausgerechnet den Verfechter von Hungerl&#246;hnen als Beleg heranzuziehen, halte ich f&#252;r durchaus gewagt. Andere &#214;konomen sehen dies auch anders, und in fr&#252;heren Aufschwungphasen ist die Besch&#228;ftigung auch insgesamt st&#228;rker gestiegen, u.a. weil auch das Wachstum st&#228;rker war. Nun zu sagen, es wurden mehr Arbeitspl&#228;tze geschaffen als zu erwarten gewesen w&#228;re, ist daher auch eine Milchm&#228;dchenrechnung. Mit einer anderen Politik w&#228;re das BIP-Wachstum vermutlich h&#246;her gewesen und es w&#228;ren somit auch mehr Arbeitspl&#228;tze neu geschaffen worden.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Und wenn die Agenda richtig gewesen sein muss, dann muss es eben so sein:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&#8222;Lafontaine l&#228;sst das nicht gelten. &quot;&lt;i class=&quot;spip&quot;&gt;Ich kann jedem einen Ein-Euro-Job geben und dann den Sieg &#252;ber die Arbeitslosigkeit erkl&#228;ren.&lt;/i&gt;&quot; So spottet er, zu Unrecht. Seit Einf&#252;hrung der Ein-Euro-Jobs liegt deren Zahl relativ konstant bei 300.000. Die Abnahme der Arbeitslosigkeit hat also andere Ursachen: Es entstanden vor allem regul&#228;re Jobs, als Vollzeit- oder Teilzeitstellen.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Doch diese Aussage ist schlicht falsch, es entstanden vor allem Jobs im Bereich der Zeitarbeit, sowie in der Gastronomie und etwa die H&#228;lfte davon sogar noch als Teilzeitstellen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen liegt daher auch heute noch rund eine dreiviertel Million unter dem H&#246;chststand von 2001. Eine erfolgreiche Arbeitsmarktpolitik sieht wahrlich anders aus.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Nachdem die Agenda abgehakt ist, muss dann nat&#252;rlich noch die Erfolgsgeschichte der Privatisierungen angef&#252;hrt werden:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Gern wettert der Linken-Vorsteher zudem gegen den Ausverkauf von Volkseigentum. Fr&#252;her war alles besser, als Gemeinden noch eigene Stadtwerke besa&#223;en. Strom, Wasser und Gas waren billiger. Jetzt h&#228;tten Konzerne das Sagen. &quot;&lt;i class=&quot;spip&quot;&gt;Privatisierung f&#252;hrt nur dazu, dass der Service schlechter wird und die Preise steigen&lt;/i&gt;&quot;, ruft er vom Laster. Lafontaine irrt.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Steigende Strom- und Gaskosten sind Folge einer verfehlten Liberalisierungspolitik und nicht Folge eines Eigent&#252;merwechsels. Der Staat schaffte es nicht, f&#252;r Wettbewerb zu sorgen. Vorbildlich gelang ihm das bei der Telekommunikation. Die Telefonkosten sanken auf einen Bruchteil, bei verbessertem Service. Das gelungene Beispiel verschweigt Lafontaine.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Die tats&#228;chlich stark gesunkenen Kosten im Telekommunikationsbereich k&#246;nnten nat&#252;rlich auch die Folge technischer Innovationen sein, die zuf&#228;llig zeitlich mit der Privatisierung des Telekommunikationssektors in Deutschland zusammen fielen. Dem Autor scheint auch nicht bewusst zu sein, dass netzgebundene Dienstleistungen volkswirtschaftlich gesehen sog &#8222;nat&#252;rliche Monopole&#8220; sind, ein Wettbewerb also aufgrund der Struktur der Branche kam m&#246;glich ist. Jedes Grundstudiumsbuch in Volkswirtschaftslehre kann dar&#252;ber aufkl&#228;ren. Die problematische Situation auf dem Strom- und Gasmarkt etwa ist also nicht Folge einer verfehlen Liberalisierungspolitik wie der Autor behauptet, sondern ist schlicht der Struktur dieser Branchen geschuldet.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Richtig peinlich wird es aber erst, wenn sich Reiermann noch weiter auf das Gebiet der Volkswirtschaft wagt, wovon er ganz offenkundig keine Ahnung hat:&lt;/p&gt; &lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&#8222;Zu gro&#223;er Form l&#228;uft der selbsterkl&#228;rte Welt&#246;konom auf, wenn es um Diagnose und Therapie im globalen Rahmen geht. Als Ursache allen &#220;bels gilt ihm die Abkehr von festen Wechselkursen Anfang der siebziger Jahre. Seitdem k&#246;nnten sich Spekulanten und andere Finsterlinge an der Not kompletter Volkswirtschaften hemmungslos bereichern, klagt Lafontaine. Die Schuldigen stehen f&#252;r ihn fest: &quot;&lt;i class=&quot;spip&quot;&gt;Es waren vor allen Dingen die USA, die vom System der festen Wechselkurse auf Druck der New Yorker Wall Street abger&#252;ckt sind.&lt;/i&gt;&quot;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Au&#223;er der Grammatik stimmt an dem Satz so gut wie nichts. Es waren die Partnerl&#228;nder der USA, allen voran die Bundesrepublik, die das Festkurssystem aufk&#252;ndigten. Aus Furcht vor Inflation waren sie nicht l&#228;nger bereit, st&#228;ndig zugunsten des schwachen Dollar zu intervenieren.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Doch hier irrt mal wieder nicht Lafontaine, sondern der Autor. Denn es war US-Pr&#228;sident Nixon, der die Goldbindung des US-Dollars aufhob und somit de facto das Fixkurssystem von Bretton-Woods beendete. Und auch die Behauptung, dass Finanzinstitute die vordringlichsten Verfechter freier Wechselkurse sind, kann mit Fug und Recht als richtig bezeichnet werden.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;In seiner ideologischen Verblendung will uns Reiermann dann sogar klar machen, dass das riesige Volumen an Derivaten gar nicht der Spekulation dient:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Eine Forderung mit Ewigkeitscharakter in Lafontaines Arsenal ist eine Steuer auf Devisengesch&#228;fte. Nur noch f&#252;nf Prozent des Geldes, das t&#228;glich den Erdball umkreise, finanziere Warenverkehr oder Investitionen, die restlichen 95 Prozent dienten der Spekulation. Doch auch hier liegt er falsch. Dabei machen Exporte und Investitionen nur 2,5 Prozent des t&#228;glichen Devisenumsatzes aus, aber die Exporte verursachen ein Vielfaches ihres Volumens an Devisengesch&#228;ften.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Kauft etwa ein chilenischer Autoimporteur einen Mercedes der S-Klasse, so werden seine Pesos zun&#228;chst in Dollar und erst anschlie&#223;end in Euro umgetauscht. Der Grund: Es gibt kaum direkte Tauschgesch&#228;fte zwischen chilenischer und europ&#228;ischer W&#228;hrung. Versucht sich der Importeur zudem vor Wechselkursrisiken zu sch&#252;tzen, l&#246;st er zus&#228;tzliche Devisengesch&#228;fte aus. In Lafontaines Welt laufen diese Aktionen unter Spekulation, tats&#228;chlich machen sie grenz&#252;berschreitenden Warenaustausch erst m&#246;glich.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Hier haben beide Seiten teilweise Recht. Sicher werden mehr Devisengesch&#228;fte ben&#246;tigt als rein rechnerisch der Warenhandel ausmacht, doch wird doch niemand ernsthaft bestreiten wollen, dass ein Gro&#223;teil der Transaktionen ausschlie&#223;lich der Spekulation dient.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Selbst das Thema Au&#223;enwirtschaft ist nicht sicher vor Reiermann:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Doch davon h&#228;lt er ohnehin nicht viel. Die Ausfuhr von Waren, so hat er erkannt, f&#252;hrt zu mehr Arbeitslosigkeit. &quot;&lt;i class=&quot;spip&quot;&gt;Wir verkaufen viel mehr Waren ins Ausland, als wir selbst Waren von anderen abkaufen. Wir exportieren Arbeitslosigkeit und importieren Besch&#228;ftigung.&lt;/i&gt;&quot; Das gibt Anlass zu moralischer Entr&#252;stung. &quot;&lt;i class=&quot;spip&quot;&gt;Wir sind der Exportweltmeister, wir s&#252;ndigen an dieser Stelle am meisten.&lt;/i&gt;&quot; L&#228;ge Lafontaine richtig, m&#252;sste die Zahl der Arbeitslosen in L&#228;ndern, mit denen Deutschland intensiv Handel treibt, merklich gestiegen sein. Das Gegenteil war der Fall: In den USA, Gro&#223;britannien und D&#228;nemark herrschte lange nahezu Vollbesch&#228;ftigung. In der EU sank die Arbeitslosigkeit stetig.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Es kann doch niemand ernsthaft bestreiten, dass wir gegen&#252;ber den meisten L&#228;ndern einen gro&#223;en Au&#223;enhandels&#252;berschu&#223; aufweisen, was im Gegenzug f&#252;r die betroffenen L&#228;nder ein Defizit in ihrem Handel mit Deutschland bedeutet. Damit produzieren diese L&#228;nder aber weniger als sie selbst konsumieren, was nichts anderes bedeutet, dass wir diese entsprechenden Produktionsarbeitspl&#228;tze zu uns importiert haben. Dass die Arbeitslosigkeit in den genannten L&#228;ndern trotzdem gesunken ist, liegt einfach daran, dass die dortige Binnennachfrage dort so stark war, dass dieser Effekt &#252;berkompensiert wurde, w&#228;hrend die deutsche Exportwirtschaft gerade auf Kosten der Binnennachfrage gest&#228;rkt wurde.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Doch diese Zusammenh&#228;nge und auch die Tatsache, dass das au&#223;enwirtschaftliche Gleichgewicht seit 1967 im Wachstums- und Stabilit&#228;tsgesetz verankert ist, scheint Reiermann nicht zu kennen. Und so schwafelt er weiter: &#8222;&lt;i class=&quot;spip&quot;&gt;In Lafontaines Welt ist Wirtschaft ein Nullsummenspiel. Was einer gewinnt, verliert der andere. So aber funktioniert Weltwirtschaft nicht. Amerikaner oder Russen kaufen Autos oder Werkzeugmaschinen in Deutschland, weil sie nirgends, auch zu Hause nicht, Produkte finden, die ihren W&#252;nschen mehr entgegenkommen.&lt;/i&gt;&#8220; Um aus Lafontaines Aussagen ein Nullsummenspiel herauszulesen muss Reiermann sich schon ziemlich anstrengen und die Aussagen kr&#228;ftig verbiegen. Russen und Amerikaner kaufen deutsche Autos sicherlich, weil sie sie besser finden als andere, doch sie w&#252;rden sie dennoch nicht zu jedem beliebigen Preis kaufen &#8211; oder wird nicht immer Lohnzur&#252;ckhaltung gepredigt, damit deutsche Unternehmen international wettbewerbsf&#228;hig bleiben? Und tats&#228;chlich wurde &#252;ber viele Jahre auch eine stetige Verbesserung der preislichen Wettbewerbssituation erreicht, indem die deutschen L&#246;hne deutlich weniger stark gestiegen sind als woanders und auch als sie gem&#228;&#223; Produktivit&#228;tsregel (der verteilungsneutralen Summe aus Produktivit&#228;t und Inflation) h&#228;tten steigen k&#246;nnen.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Doch der Autor bleibt konsequent auf der betriebswirtschaftliche Ebene, meint aber volkswirtschaftlich zu argumentieren:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;M&#252;ssten ausl&#228;ndische Kunden heimische Produkte kaufen, w&#228;ren sie gezwungen, f&#252;r gleiche Qualit&#228;t mehr zu zahlen oder geringere Qualit&#228;t zu akzeptieren. Beides bedeutet Wohlstandsverlust. Viel gibt es nicht, auf das sich fast alle &#214;konomen einigen k&#246;nnen. Aber der Glaube, dass der Warentausch &#252;ber L&#228;ndergrenzen hinweg beiden Seiten eher n&#252;tzt, geh&#246;rt dazu.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Meines Wissens bestreitet Lafontaine auch in keiner Weise, dass Warenaustausch den Wohlstand steigern kann. Es wird aber auch kein &#214;konom bestreiten, dass (au&#223;enwirtschaftliche) Ungleichgewichte nicht dauerhaft bestehen bleiben k&#246;nnen. Dieses Problem wird in den USA seit vielen Jahren diskutiert und nur in Deutschland ist man immer wieder stolz darauf, mehr zu exportieren als China mit 13mal mehr Einwohnern.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Doch dass Reiermann diese Zusammenh&#228;nge in kleinster Weise verstanden hat, zeigt er einmal mehr in seinem Schlu&#223;absatz:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Der gelernte Physiker Lafontaine teilt diese Meinung nicht. Oder nur manchmal. Dann sagt er etwa: &quot;Deutschland ist als Exportweltmeister der gr&#246;&#223;te Nutznie&#223;er der Globalisierung.&quot; Was denn nun? S&#252;nder oder Nutznie&#223;er? Gelegentlich scheint er sich in seiner Welt selbst nicht mehr zurechtzufinden.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Seit wann sind die Begriffe S&#252;nder und Nutznie&#223;er eigentlich Widerspr&#252;che? Ein Einbrecher ist auch ein S&#252;nder und kann dennoch Nutznie&#223;er eines offenen Fensters sein.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Reiermann konnte Lafontaine also in keinem einzigen Fall wirkliche L&#252;ge oder gar Unkenntnis vorwerfen. Er selbst dagegen offenbart die elementare Unkenntnis des deutschen Journalismus bez&#252;glich makro&#246;konomischer Probleme, die er aber versucht, mit einer umso gr&#246;&#223;eren Neigung zum koordinierten Kampagnen-Journalismus auszugleichen.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		

	</item>



	<item>
		<title>Wirtschaftskrise: Unsere Eliten f&#252;hren uns wie die L&#228;mmer zur Schlachtbank</title>
		<link>http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article141</link>
		<guid isPermaLink="true">http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article141</guid>
		<dc:date>2008-10-11T18:29:53Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Gerold Schwarz</dc:creator>

<category domain="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?rubrique12">(Des-) Integration</category>

		<dc:subject>Prekarisierung / Sozialabbau</dc:subject>
		<dc:subject>Entrechtung / Demokratieabbau</dc:subject>
		<dc:subject>Durchsetzung von Eliteninteressen</dc:subject>

		<description>Diese Woche trafen sich die europ&#228;ischen Wirtschafts- und Finanzminister zu ihrer regelm&#228;&#223;gen Ministerratssitzung, dem sogenannten ECOFIN. In Zeiten wie diesen sollte dies eigentlich ein Anlass sein, auf europ&#228;ischer Ebene gemeinsame L&#246;sungen zu finden f&#252;r die wirklich akuten Problemen im Zusammenhang mit der aktuellen gravierenden Wirtschaftskrise. Vorschl&#228;ge liegen ja nun wirklich seit geraumer Zeit in gro&#223;er Zahl auf dem Tisch, und es geh&#246;rt nun wirklich nicht viel Detailwissen dazu, um zu (...)

-
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?rubrique12" rel="directory"&gt;(Des-) Integration&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?mot16" rel="tag"&gt;Prekarisierung / Sozialabbau&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?mot19" rel="tag"&gt;Entrechtung / Demokratieabbau&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?mot38" rel="tag"&gt;Durchsetzung von Eliteninteressen&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;div class='rss_chapo'&gt;&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Diese Woche trafen sich die europ&#228;ischen Wirtschafts- und Finanzminister zu ihrer regelm&#228;&#223;gen Ministerratssitzung, dem sogenannten ECOFIN. In Zeiten wie diesen sollte dies eigentlich ein Anlass sein, auf europ&#228;ischer Ebene gemeinsame L&#246;sungen zu finden f&#252;r die wirklich akuten Problemen im Zusammenhang mit der aktuellen gravierenden Wirtschaftskrise. Vorschl&#228;ge liegen ja nun wirklich seit geraumer Zeit in gro&#223;er Zahl auf dem Tisch, und es geh&#246;rt nun wirklich nicht viel Detailwissen dazu, um zu erkennen, dass eine ganze Reihe von notwendigen L&#246;sungen nicht auf einzelstaatlicher Ebene allein umgesetzt werden k&#246;nnen. Nahe liegt hier insbesondere eine doch wenigstens zeitweise offizielle Suspendierung der irrwitzigen Maastricht-Kriterien oder der momentan &#228;u&#223;erst kontraprodukten Verengung der EZB-Politik auf &quot;Inflationsbek&#228;mpfung&quot;, die dem manisch-psychpathischen EZB-Rat &#252;berhaupt erst erm&#246;glichte, mit ihrer Leitzinserh&#246;hung im Juli den wohl schwersten geldpolitischen Fehler der letzten Jahrzehnte zu begehen.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen die momentane Wirtschaftskrise konnten sich die versammelten Minister leider nicht durchringen, weshalb sie weiterhin amateurhaft auf nationaler Ebene vor sich hinst&#252;mpern werden. Wor&#252;ber sie sich auf dem ECOFIN aber ohne die geringsten Probleme verst&#228;ndigen konnten, das ist ausgerechnet ein Forderungskatalog, der uns mittlerweile nur allzu bekannt vorkommt:&lt;/p&gt; &lt;ul class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; Weitere Sozialk&#252;rzungen&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; Lohnsenkung&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; &quot;Erh&#246;hung der Wettbewerbsintensit&#228;t&quot;&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; &quot;Strukturelle Reformen auf dem Arbeitsmarkt&quot;, insbesondere eine R&#252;cknahme des K&#252;ndigungsschutzes sowie eine Einschr&#228;nkung von Arbeitnehmerrechten.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Was sich angesichts der derzeitigen Vorg&#228;nge und insbesondere der so offensichtlich gekl&#228;rten Frage, wer uns in diese Situation &#252;berhaupt erst gebracht und sich selbst dabei im atemberaubendem Ausma&#223; bereichert hat, wie ein schlechter Scherz anh&#246;rt, bei dem ausgerechnet die Opfer von jahrzehntelanger Umverteilung von unten nach oben und von Sozialk&#252;rzungen aller Art im Krisenfall nochmals so richtig zur Ader gelassen werden sollen, entpuppt sich bei genauerem Hinschauen als bitterer und zynischer Ernst. Im &lt;a href=&quot;http://www.consilium.europa.eu/cms3_applications/applications/newsroom/LoadDocument.asp?directory=en/ecofin/&amp;filename=103250.pdf&quot; class=&quot;spip_out&quot;&gt;Abschlussdokument des ECOFINs&lt;/a&gt; findet sich neben allerlei unverbindlicher Absichtserkl&#228;rungen folgender Passus:&lt;/p&gt; &lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Die Minister erkl&#228;ren ihre volle Bereitschaft, folgende Ziele umzusetzen:&lt;/p&gt; &lt;ul class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; Strukturreformen sollten energisch verfolgt werden, da sie sowohl die Widerstandsf&#228;higkeit und Anpassungsf&#228;higkeit der Wirtschaft st&#228;rken k&#246;nnen als auch durch eine Steigerung des Wachstumspotentials der Wirtschaft erlauben, vom zuk&#252;nftigen Aufschwung zu profitieren und gleichzeitig dazu beitragen, durch erh&#246;hte Flexibilit&#228;t den Schock zu absorbieren. Insbesondere Reformen zur Verst&#228;rkung des Wettbewerbs auf den G&#252;ter- und Dienstleistungsm&#228;rkten - besonders im Einzelhandel - sollten dazu beitragen, den Inflationsdruck zu mindern und die Kaufkraft zu st&#228;rken. &lt;strong class=&quot;spip&quot;&gt;Genauso k&#246;nnen eine erh&#246;hte Flexibilit&#228;t und Mobilit&#228;t auf dem Arbeitsmarkt zu einer schnelleren Wirtschaftsanpassung beitragen.&lt;/strong&gt; Die Mitgliedsstaaten sollen diesen Herbst ehrgeizige Nationale Reformpl&#228;ne erstellen und diese energisch umsetzen.&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; &lt;strong class=&quot;spip&quot;&gt;Die Lohnentwicklung soll zur Besch&#228;ftigung und zur Wettbewerbsf&#228;higkeit beitragen.&lt;/strong&gt; Diesen Herbst werden die Minister Gespr&#228;che mit den Sozialpartnern f&#252;hren.&lt;/li&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; In steuerlicher Hinsicht ist gro&#223;e Sorgfalt n&#246;tig zur Vertrauensbildung, namentlich hinsichtlich der Alterung der Bev&#246;llkerung sowie zur Gew&#228;hrleistung einer gesunden Mischung aus Steuer- und Geldpolitik. Der im Jahre 2005 reformierte &lt;strong class=&quot;spip&quot;&gt;Stabilit&#228;ts- und Wachstumspakt gibt den geeigneten Rahmen hierzu und sollte vollst&#228;ndig angewandt werden&lt;/strong&gt;. Er bietet die Flexibilit&#228;t, die der Steuerpolitik erlaubt, ihre normale Stabilisierungsfunktion zu &#252;bernehmen. Insbesondere k&#246;nnen die relativ gro&#223;en automatischen Stabilisatoren in Europa dazu betragen, den Abschwung abzufedern, und gleichzeitig die 3%-Verschuldungsgrenze einzuhalten. In L&#228;ndern, die einem gr&#246;&#223;eren Abschwung entgegensehen und in denen noch Handlungsspielraum existiert, k&#246;nnen vor&#252;bergehend gezielte Ma&#223;nahmen ergriffen werden, namentlich zugunsten der am meisten durch die gegenw&#228;rtige Wirtschaftslage betroffenen. Dabei m&#252;ssen auch die speziellen Herausforderungen des betreffenden Landes beachtet werden, &lt;strong class=&quot;spip&quot;&gt;also den Bedarf zur Wiederherstellung der Wettbewerbsf&#228;higkeit&lt;/strong&gt;.&lt;/blockquote&gt;
&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Wer sich einen Weg durch das etwas verwirrende EU-Neusprech bahnen kann, f&#252;r den erschlie&#223;t sich die Absicht recht schnell, insbesondere vor dem Hintergrund der derzeitigen Anstrengungen zur Reform des Arbeitsrechts, dessen erster Anlauf in Form des &quot;Gr&#252;nbuch Arbeitsrechts&quot; zum Verdruss unserer Eliten noch nicht richtig vorangekommen war (Europa im Blick berichtete bereits &lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article40&quot; class=&quot;spip_in&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article18&quot; class=&quot;spip_in&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; und &lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article35&quot; class=&quot;spip_in&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;). Schon damals spielte die &quot;Politikberatung&quot; der Bertelsmann-Stiftung eine herausragende Rolle, und so verwundert es &#252;berhaupt nicht, dass in dem erneuten Anlauf, der sich in Deutschland zeitlich und inhaltlich perfekt mit der Zielsetzung aus der ECOFIN-Abschlusserkl&#228;rung &#252;berschneidet, die Bertrelsmann-Stiftung ebenfalls wieder einer der treibenden Akteure darstellt. Die offensichtlich sowohl auf europ&#228;ischer als auch auf nationaler deutscher Ebene vorangetriebene Offensicve zur Schleifung des K&#252;ndigungsschutzes tr&#228;gt derzeit den Arbeitstitel &quot;&lt;a href=&quot;http://www.linksnet.de/de/artikel/23613&quot; class=&quot;spip_out&quot;&gt;Vereinfachung des Arbeitsvertragsrechts&lt;/a&gt;&quot;. Im Gegensatz zu den Erkl&#228;rungen zur Eind&#228;mmung der Finanzmarktkrise, handelt sich also bei dem Abschlussdokument ganz offensichtlich bez&#252;glich der &quot;Flexibilisierung des Arbeitsmarkts&quot; definitiv nicht um eine reine Absichtserkl&#228;rung.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&#196;hnlich verh&#228;lt es sich auch mit der Frage der Lohnentwicklung und der etwas undurchschaubaren Formulierung zur Verschuldungsgrenze. Selbstverst&#228;ndlich wird bei massiv erh&#246;hten Staatsausgaben zur Rettung heimischer Banken sowie bei einem zwangsl&#228;ufig parallel dazu stattfindenden Konjunktureinbruch die Staatsverschuldung weit jenseits der 3% liegen. Doch wird jetzt schon die Finanzmarktkrise dazu herangezogen, zuk&#252;nftige Sozialk&#252;rzungen zu legitimieren. Den Auftakt hierzu bildete diesmal, entgegen meiner Erwartung, nicht &quot;Deutschlands kl&#252;gster Professer&quot; (Bild-Zeitung), Hans-Werner Sinn, sondern EU-Parlamentspr&#228;sident P&#246;ttering (CDU) im &lt;a href=&quot;http://www.abendblatt.de/daten/2008/10/11/950968.html&quot; class=&quot;spip_out&quot;&gt;heutigen Hamburger Abendblatt&lt;/a&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Abendblatt: Was bedeutet die Krise f&#252;r die Stabilit&#228;t des Euro?&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;P&#246;ttering: Meine absolut dringliche Empfehlung ist, dass wir an der Stabilit&#228;t des Euro festhalten. Das hei&#223;t: Keine unverantwortbare Neuverschuldung! In manchen Staaten w&#228;chst die Neigung, angesichts der Finanzkrise &lt;strong class=&quot;spip&quot;&gt;die Stabilit&#228;tskriterien von Maastricht aufzuweichen. Davor kann ich nur warnen&lt;/strong&gt;.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Abendblatt: Dann m&#252;ssen Sie sparen.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;P&#246;ttering: Wir werden wahrscheinlich dar&#252;ber nachdenken m&#252;ssen, was unsere Priorit&#228;ten in dieser Situation sind. Jedenfalls sollten wir nicht in Bereichen sparen, die die Grundlage f&#252;r unsere wirtschaftliche Entwicklung in der Zukunft sind, wie Bildung und Ausbildung. Alles in allem kann es aber bedeuten, &lt;strong class=&quot;spip&quot;&gt;dass wir in vielen Bereichen den G&#252;rtel enger schnallen m&#252;ssen und jeder auf die eine oder andere Weise seinen Beitrag in dieser Situation leisten muss&lt;/strong&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Da haben wir ihn endlich wieder, den G&#252;rtel, den &quot;wir&quot; enger schnallen m&#252;ssen, wobei wir ganz sicher sein k&#246;nnen, dass Herr P&#246;ttering diesbez&#252;glich ganz bestimmt nicht zu &quot;uns&quot; geh&#246;rt, denn seinen G&#252;rtel wird er definitiv nicht anziehen. Wir &lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article142&quot; class=&quot;spip_in&quot;&gt;erinnern uns &#252;brigens noch sehr gut an Herrn P&#246;ttering&lt;/a&gt; aufgrund seiner Teilnahme an Angela Merkels gruseligem Geheimdiplomatie-Abenteuers anl&#228;sslich der Durchsetzung des &quot;EU-Reformvertrags&quot;. Damals gab sich P&#246;ttering dazu her, der Abschlussurkunde zur 50-Jahrfeier der EU, mit der der EU-Reformvertrag unter deutscher EU-Ratspr&#228;sidentschaft durchgedr&#252;ckt wurde, einen Anstrich von gesamteurop&#228;ischer Mitarbeit zu verleihen. Nachdem keiner der anderen 26 europ&#228;ischen Regierungschefs das Dokument unterzeichnen wollte, musste Merkels Parteifreund P&#246;ttering und der seinerzeit von Merkel eingesetzte Kommissinspr&#228;sident Barroso einspringen, damit unsere Kanzlerin die &quot;europ&#228;ische Erkl&#228;rung zur Zukunft Europas&quot; nicht v&#246;llig alleine unterzeichnet.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Mal ganz davon abgesehen, dass es gerade der Lohnr&#252;ckgang war, der die Finanzmarktkrise 1929 &#252;berhaupt erst in die Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre verwandelte, weshalb gerade in der Krise die L&#246;hne um jeden Preis zu stabilisieren sind, bildet die Kombination aus einerseits massivem Konjunkturr&#252;ckgang und zusammenbrechendem Export, wie es sich gegenw&#228;rtig abzeichnet, und andererseits nochmals deutlich versch&#228;rften Lohn- und Sozialabbau eine sozial au&#223;erordentlich heikle Situation, die sich im historischen R&#252;ckblick regelm&#228;&#223;ig auf der Stra&#223;e entl&#228;dt. Dies ist im Licht der Erfahrungen mit der letzten Weltwirtschaftskrise durchaus auch unseren politischen Eliten vertraut, weshalb sie die derzeitige Schockstarre der &#246;ffentlichen Aufmerksamkeit, die sich fast ausschlie&#223;lich auf die Finanzmarktkrise richtet, ausnutzt, um weitgehend unbeobachtet massive Einschr&#228;nkungen von Grundrechten durchzusetzen. Hierzu werden mittels diverser Gesetze (z. B. Vorratsdatenspeicherung, Befugnisausweitung von BKA, Bundespolizei und Verfassungsschutz etc.) einerseits das Post- und Fernmeldegeheimnis faktisch aufgehoben, und anderseits mittels der Zulassung des Milit&#228;rs im Inland soziale Konflikte militarisiert. Damit w&#252;rde ein Marsch zum Absch(l)uss gebracht, der in seinem gesamten Verlauf und in seinem absehbaren Ende eigentlich nur noch mit einem biblischen Zitat kommentiert werden kann (Jesaja Kap. 51, Vers 40):&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&quot;&lt;i class=&quot;spip&quot;&gt;Ich will sie hinabf&#252;hren wie L&#228;mmer zur Schlachtbank, wie Widder und B&#246;cke.&lt;/i&gt;&quot;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Angesichts der so offen zutage liegenden Absichten unserer f&#252;hrenden Politiker muss daher das vordringliche Ziel jeglichen politischen Engagement aus nichts weniger als dem vollst&#228;ndigen Austausch unserer politischen Eliten bestehen. Die Vielzahl der anstehenden Wahlen n&#228;chstes Jahr mag ja zumindest schon einen Auftakt dazu bilden.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		

	</item>



	<item>
		<title>Der Staudammwahn der T&#252;rkei</title>
		<link>http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article111</link>
		<guid isPermaLink="true">http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article111</guid>
		<dc:date>2008-10-07T07:56:35Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Christine Wicht</dc:creator>

<category domain="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?rubrique28">Energie und Wasser</category>

		<dc:subject>Wasser / Meere</dc:subject>

		<description>Das Ilisu-Staudammprojekt in der T&#252;rkei steht weiter im Kreuzfeuer der Kritik. Europa im Blick hatte &#252;ber die Hintergr&#252;nde des Projektes ja bereits berichtet. Nun liegt ein weiterer Bericht der Expertenkommission vor, der den Status quo beschreibt und best&#228;tigt, dass die 153 Auflagen, an welche die Exportkredite gebunden sind, immer noch nicht erf&#252;llt worden sind. Ungeachtet der Kritik plant die T&#252;rkei weitere Staudamm-Projekte und die Privatisierung von Fl&#252;ssen, was zu heftigen Widerstand in der (...)

-
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?rubrique28" rel="directory"&gt;Energie und Wasser&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?mot27" rel="tag"&gt;Wasser / Meere&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;div class='rss_chapo'&gt;Das Ilisu-Staudammprojekt in der T&#252;rkei steht weiter im Kreuzfeuer der Kritik. &lt;a href=&quot;http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article94&quot; class=&quot;spip_in&quot;&gt;Europa im Blick hatte &#252;ber die Hintergr&#252;nde des Projektes ja bereits berichtet&lt;/a&gt;. Nun liegt ein weiterer Bericht der Expertenkommission vor, der den Status quo beschreibt und best&#228;tigt, dass die 153 Auflagen, an welche die Exportkredite gebunden sind, immer noch nicht erf&#252;llt worden sind. Ungeachtet der Kritik plant die T&#252;rkei weitere Staudamm-Projekte und die Privatisierung von Fl&#252;ssen, was zu heftigen Widerstand in der Bev&#246;lkerung gef&#252;hrt hat und noch f&#252;hrt. Auch diese Projekte zeichnen sich aus durch unprofessionelles Vorgehen und nicht gekl&#228;rte Zust&#228;ndigkeiten. Die Exportkreditagenturen w&#228;ren gut beraten gewesen, wenn sie sich im Vorfeld &#252;ber die Arbeitsweise der t&#252;rkischen Beh&#246;rden in Bezug auf die Staudammprojekte informiert h&#228;tten, vielleicht w&#228;re ihnen die Beteiligung zu riskant gewesen, denn bei genauer Betrachtung scheint die Vorgehensweise des Ilisu-Staudammprojektes keine bedauerliche Ausnahme zu sein.&lt;/div&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Im Juni 2008 erkl&#228;rte die Bundesregierung, dass die Auflagen f&#252;r den Bau des Ilisu-Staudamm in der T&#252;rkei nicht verhandelbar seien. Nach Aussage einer Vertreterin des Bundesministeriums f&#252;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Juni 2008 vor dem Menschenrechtsausschuss m&#252;ssten internationale Standards auf dem Gebiet der Umwelt, der Menschenrechte und des Denkmalschutzes eingehalten werden. Wenn die T&#252;rkei ihre Zusagen nicht erf&#252;llt, h&#228;tte dies ernsthafte Konsequenzen bis hin zum Ausstieg Deutschlands aus dem Projekt, so das BMZ. Der Ausschuss verlangte Auskunft &#252;ber den Stand der Verhandlungen, nachdem eine internationale Expertenkommission festgestellt hatte, dass die T&#252;rkei die Auflagen ignoriere. Am 27. Mai 2008 hat die Regierung in Ankara ein Investitionsprogramm mit einem Volumen von 12 Milliarden US-Dollar angek&#252;ndigt, darin seien auch die Ausgaben f&#252;r das Ilisu-Projekt enthalten.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;strong class=&quot;spip&quot;&gt;Parteien zeigen sich kritisch&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Die Tatsache, dass die T&#252;rkei sich &#252;ber die Vereinbarungen bislang hinwegsetze, machte Union und SPD &#8220;nachdenklich&#8221;. Die SPD fragte zudem nach dem Problem m&#246;glicher regionaler Konflikte wegen Wasserknappheit. Alle Fraktionen erkundigten sich nach Fristen f&#252;r die Einhaltung der Auflagen und dem m&#246;glichen Ausstieg Deutschlands aus dem Projekt bei Nichterf&#252;llung. Die T&#252;rkei d&#252;rfe sich nicht &#8220;durchmogeln&#8221;, so die FDP, die zudem nach den Auswirkungen des bisherigen Verhaltens der T&#252;rkei auf den angestrebten EU-Beitritt fragte. Auch die Umsiedlungen und die Informationspolitik der t&#252;rkischen Regierung gegen&#252;ber der betroffenen Bev&#246;lkerung interessierten die Abgeordneten. Nach Auskunft des Ausw&#228;rtigen Amtes seien zwar erste Enteignungen in dem Gebiet bereits eingeleitet. Doch sei noch niemand umgesiedelt worden. Zeitungsberichte, wonach 55.000 Menschen umgesiedelt werden sollten, seien nicht pr&#228;zise. Diese Zahl umfasse alle Betroffenen, die etwa Grundst&#252;cke auf dem Baugebiet besitzen. &#8220;Physisch&#8221; umgesiedelt werden sollten hingegen 11.000 Personen. Entgegen einigen Medienberichten habe der Bau am eigentlichen Staudamm noch nicht begonnen. Zurzeit w&#252;rden lediglich Vorbereitungsarbeiten wie der Bau von Zufahrtsstra&#223;en verrichtet. Zu den m&#246;glichen Wasserkonflikten in der Region infolge des Staudammbaus sagte das Ausw&#228;rtige Amt, die T&#252;rkei habe ihren Nachbarn entsprechende Wassergarantien zugesichert. Die internationale Beteiligung an dem Projekt bezeichnete die Bundesregierung als Durchbruch. Damit w&#252;rden entsprechende Standards auch beim Bau weiterer Staud&#228;mme in der T&#252;rkei eingef&#252;hrt. &#8220;Wenn wir dabei sind, ist es f&#252;r die Betroffenen besser, als wenn wir nicht dabei w&#228;ren&#8221;, so das Fazit des Ausw&#228;rtigen Amtes.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;strong class=&quot;spip&quot;&gt;Aktueller Stand der Dinge&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Am 2. September 2008 hat die Nichtregierungsorganisation &#8222;Erkl&#228;rung von Bern&#8220; (EvB) eine Presseerkl&#228;rung zum aktuellen Stand des Staudammprojektes abgegeben (Quelle: &lt;a href=&quot;http://www.db-si.ch/p25014556.html&quot; class=&quot;spip_out&quot;&gt;db-si.ch&lt;/a&gt;). Der zweite Expertenbericht zum Staudamm im S&#252;dosten der T&#252;rkei decke T&#228;uschungen auf und fordere als Konsequenz ein Baumoratorium. Nach Meinung der Experten f&#252;hre ein Festhalten am Beginn des Baus des Wasserkraftwerks im Oktober zur Verarmung und Vertreibung von etwa 65.000 Menschen, deshalb fordern die Autoren ein Baumoratorium von mindestens 3 Jahren.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;strong class=&quot;spip&quot;&gt;Kurzer R&#252;ckblick&lt;/strong&gt;
Im Oktober 2006 hatten die Exportkreditagenturen (ECA) von Deutschland, &#214;sterreich und der Schweiz mit der T&#252;rkei vertraglich festgelegt, dass die Deckung von europ&#228;ischen Lieferungen an das Ilisu-Kraftwerk von der Erf&#252;llung von 153 Auflagen abh&#228;ngt, die das Projekt in Einklang mit internationalen Staudamm-Standards bringen. Ein Expertengremium wurde beauftragt, die Einhaltung dieser Auflagen der ECA zu &#252;berpr&#252;fen, bereits im Februar 2008 stellten diese Experten fest, dass nur wenige Auflagen erf&#252;llt waren, worauf die Kreditagenturen mit Vertragsk&#252;ndigung drohten.
Die T&#252;rkei erstellte einen neuen Zeitplan.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;strong class=&quot;spip&quot;&gt;Aktueller Expertenbericht&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;In seinem zweiten Bericht weist das Team des Weltbankexperten Prof. Michael Cernea nach, dass es seither kaum Verbesserungen gab. Den Betroffenen drohe Verarmung, Verelendung und Isolation. Immer noch g&#228;be es kein alternatives Ackerland f&#252;r die Menschen der 185 D&#246;rfer, die umgesiedelt werden m&#252;ssten, und auch mit den &#252;berf&#228;lligen Existenzsicherungsma&#223;nahmen sei noch nicht einmal begonnen worden. Diese m&#252;ssten laut Weltbankstandards aber anlaufen, bevor mit dem Bau begonnen werde. Allein deren Planung dauere bei derartigen Dimensionen mindestens 3 bis 6 Jahre. Die Vorbereitungen sind laut Bericht von derart geringer Qualit&#228;t, dass, daran gemessen, selbst der &#8222;Drei Schluchten Damm&#8220; in China, bisher Sinnbild f&#252;r Gr&#246;&#223;enwahn und R&#252;cksichtslosigkeit, sorgf&#228;ltiger konzipiert gewesen sei.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;strong class=&quot;spip&quot;&gt;T&#228;uschungsversuche der Dammbaubeh&#246;rde&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Des Weiteren deckten die Experten T&#228;uschungsversuche der Dammbaubeh&#246;rde DSI auf. So seien beispielsweise wichtige Auflagen im neuen Zeitplan einfach unterschlagen worden. Andere Ma&#223;nahmen seien als erf&#252;llt gemeldet worden, die in Wahrheit jedoch nicht realisiert waren. Die Experten vermuten die Gr&#252;nde in grundlegenden systemischen Problemen im t&#252;rkischen Regierungssystem. Alle Warnungen ignorierend, habe die DSI im Januar dennoch mit dem Bau von Zufahrtsstra&#223;en begonnen, mit milit&#228;rischen Sicherungen und der Erstellung von Unterk&#252;nften f&#252;r die Arbeiter. Zwei D&#246;rfer seien bereits ohne ausreichende Entsch&#228;digung enteignet worden.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Nach Ansicht der &#8222;Erkl&#228;rung von Bern&#8220; (EvB), die vor Ort war, ignorieren die t&#252;rkische Beh&#246;rden nicht nur alle Ratschl&#228;ge zum Schutz von Menschen, Umwelt und Kultur, sondern w&#252;rden dar&#252;ber hinaus ihre europ&#228;ischen Partner vors&#228;tzlich t&#228;uschen, da f&#252;r 65.000 Menschen bisher kein neues Acker- und Wohnland gefunden wurde und nur unzureichende Entsch&#228;digungen gezahlt w&#252;rden, &#8222;dies erf&#252;lle den Tatbestand der Vertreibung&#8220;, stellte die EvB-Expertin Christine Eberlein fest. Deshalb m&#252;sse die Schweizer Regierung sofort die Ausstiegsklausel der Kreditgarantie aktivieren.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Wie sich Staud&#228;mme auf die Umwelt und die Belange der Bev&#246;lkerung auswirken, haben bereits Maude Barlow und Tony Clarke in ihrem Buch &#8222;Blaues Gold&#8220; (Kunstmann-Verlag 2003, Seite 88) ausf&#252;hrlich beschrieben:&lt;/p&gt; &lt;blockquote class=&quot;spip&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Die k&#252;nstliche Bew&#228;sserung konnte weltweit nur deshalb so enorm zunehmen, weil immer mehr riesige Staud&#228;mme gebaut werden. Das Leid, das den betroffenen Menschen mit solchen Gro&#223;projekten zugef&#252;gt wird, ist ebenso gro&#223; wie der Schaden f&#252;r die Umwelt. Sch&#228;tzungsweise 60 bis 80 Millionen Menschen wurden weltweit in den vergangenen 60 Jahren wegen des Baus von Staud&#228;mmen umgesiedelt. Diese Heerscharen von &#8222;Outstees&#8220; (Beraubte, Vertriebene), wie man sie in Indien nennt, wurden ihrer sozialen Gemeinschaften, ihrer Lebensgrundlagen und ihrer angestammten Heimat beraubt, so dass sie nun kulturell, wirtschaftlich und emotional entwurzelt sind &#8211; eine Problematik, die dem International Rivers Network nur allzu vertraut ist. Dieser Organisation mit Sitz in den Vereinigten Staaten ist zu verdanken, dass die Vereinten Nationen eine Kommission zur Untersuchung von Staudammprojekten eingesetzt hat. Laut Patrick McCully, einem Mitglied des Netzwerks, erhielten zwangsumgesiedelte Familien oftmals nur eine geringf&#252;gige oder &#252;berhaupt keine Entsch&#228;digung und Millionen ehemals unabh&#228;ngige Bauernfamilien endeten in den Slums am Rand der wuchernden Gro&#223;st&#228;dte in der Dritten Welt. Und hierbei sind nicht einmal die Millionen Menschen ber&#252;cksichtigt, die weiterhin in der N&#228;he der Megastaud&#228;mme leben, aber ebenfalls eingeschr&#228;nkt sind.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;strong class=&quot;spip&quot;&gt;Die Wasserpolitik der T&#252;rkei&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Obwohl das Staudammprojekt nach wie vor in der Kritik steht und nicht vorankommt, plant die t&#252;rkische Regierung f&#252;r das Jahr 2009 die Privatisierung einiger Fl&#252;sse des Landes. Bereits im August letzten Jahres berichtete die Turkish daily news, dass die t&#252;rkische Regierung eine L&#246;sung gegen die Wasserknappheit gefunden habe, indem Nutzungsrechte der Gew&#228;sser f&#252;r 49 Jahre an internationale Konzerne verkauft werden (Quelle: &lt;a href=&quot;http://www.turkishdailynews.com.tr/article.php?enewsid=79800&quot; class=&quot;spip_out&quot;&gt;Turkish Daily News&lt;/a&gt;). Im letzten Jahr war der Verkauf von 12-13 Fl&#252;ssen im Gespr&#228;ch, die dem Staat gesch&#228;tzte 3 Milliarden US-Dollar einbringen sollen. Die Regierung plante eine Ausschreibung und das Unternehmen, welches die Staud&#228;mme am g&#252;nstigen und am schnellsten baut, sollte den Zuschlag erhalten. Der Plan hat jedoch die Frage aufgeworfen, ob es verfassungskonform ist, Allgemeingut zu ver&#228;u&#223;ern. Die Privatisierung soll nicht nur Bau und Betrieb von Kraftwerken umfassen, die als &#8222;Beitrag zum Klimaschutz&#8220; propagiert werden, sondern auch die Kommerzialisierung von Wasserwerken beinhalten, womit die Trinkwasserversorgung in den H&#228;nden von privaten Investoren l&#228;ge.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Ungekl&#228;rte Zust&#228;ndigkeiten und Verwirrung &#252;ber Autorit&#228;ten
Turkish daily news berichtete im August 2008, dass die Regierung seit 2007 laufend Konzessionen f&#252;r Projekte an private Unternehmen vergebe, zu Begr&#252;ndung wurde angegeben, dass damit die wachsenden Energiebed&#252;rfnisse der T&#252;rkei befriedigt werden sollten. Die Anwohner erfuhren von den Vorhaben erst als Vermessungen im geplanten Staudammgebiet vorgenommen wurden. Als Planierraupen anr&#252;ckten und B&#228;ume niederwalzten, gingen die Bewohner zum B&#252;ro des Gouverneurs und zur lokalen Wasserbeh&#246;rde. Die Wasserbeh&#246;rde argumentierte, dass sie lediglich die Machbarkeitsstudie genehmigt habe. Die zentrale Wasserbeh&#246;rde, die den Vertrag geschlossen hat, sollte die Verantwortung &#252;bernehmen. In der Verwirrung &#252;ber Autorit&#228;ten und Zust&#228;ndigkeiten wusste weder das Ministerium noch die Energieregulierungsbeh&#246;rde, EPDK, wo die Verantwortungen beginnen und wo sie enden. Tausende B&#252;rger wehren sich mittlerweile gegen die Staud&#228;mme, da sie eine Zerst&#246;rung ihres Lebensraums bef&#252;rchten. Dar&#252;ber hinaus engagieren sich Gewerkschaften, Berufsverb&#228;nde, linke Parteien, das Sozialforum T&#252;rkei und NGOs wie &#8222;su politic&#8220; gegen die Wasserprivatisierung. Das Ausma&#223; der Schlamperei wurde offenkundig, nachdem bekannt wurde, dass das Ministerium vergessen hatte, Durchf&#252;hrungskontrollen vorzusehen.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Als das Ministerium begonnen hatte, den Hinweisen aus der Bev&#246;lkerung nachzugehen, stellte sich heraus, dass die privaten Betreiber mit der Ausf&#252;hrung von 726 der insgesamt 1127 Projekte bereits begonnen hatten, was bedeutet, dass es f&#252;r Proteste in diesen F&#228;llen bereits zu sp&#228;t war. Selbst das von der UNESCO gesch&#252;tzte Biosp&#228;hrenreservat Macahel wurde zur Vermarktung freigegeben, ebenfalls das gesch&#252;tzte Paparttal, obwohl das Wasser in trockenen Sommer nur f&#252;r einen Teil der dort ans&#228;ssigen Menschen reicht. Die betroffenen B&#252;rger der Regionen haben bereits Klage eingereicht und weisen in Protestversammlungen darauf hin, dass die T&#228;ler durch die Staud&#228;mme ausgetrocknet werden.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Nichtsdestotrotz halten die Beh&#246;rden an ihrer &#220;berzeugung fest, dass kleine D&#228;mme der Natur nicht schaden. In den Machbarkeitsstudien wurde festgestellt, dass dem Lebensraum nach dem Staudammprojekt gen&#252;gend Wasser bliebe, um zu &#252;berleben, aber es wurde nicht festgestellt, wie viel Wasser &#252;berhaupt vorhanden ist. Wissenschaftler, die von der Widerstandsbewegung mit der Pr&#252;fung der Sachlage beauftragt wurden, kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass die Kraftwerke das nat&#252;rliche Gleichgewicht st&#246;ren werden. Ein Beamter, der seinen Namen nicht nennen wollte, &#228;u&#223;erte die Bef&#252;rchtung, dass diese Projekte Wasserkriege verursachen k&#246;nnen. Wenn Flussl&#228;ufe trocken fallen, weil die Kraftwerksbetreiber das Wasser bereits an der Quelle auffangen und der Natur und den Anwohnern komplett entziehen. Die Betreiber werben mit Arbeitspl&#228;tzen, was jedoch nur f&#252;r die Bauzeit gilt, nach der Fertigstellung der Staud&#228;mme haben die Menschen weder Arbeit noch Wasser. (Quelle: &lt;a href=&quot;http://www.turkishdailynews.com.tr/article.php?enewsid=112961&quot; class=&quot;spip_out&quot;&gt;Turkish Daily News&lt;/a&gt;).&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Des Weiteren planen international agierende Investoren bis zum Jahr 2011, im Rahmen des GAP-Projekts (&lt;i class=&quot;spip&quot;&gt;G&#252;neydo&#287;u Anadolu Projesi&lt;/i&gt; in S&#252;dostanatolien), zudem auch der Ilisu-Staudamm geh&#246;rt, weitere D&#228;mme und Wasserkraftwerke in den Provinzen Siirt (Ostanatolien) und Bitlis (Anatolien) zu realisieren. Jedes der geplanten Kraftwerke umfasst ein Investitionsvolumen von 400 Millionen US Dollar. (Quelle: &lt;a href=&quot;http://www.turkishdailynews.com.tr/article.php?enewsid=112961&quot; class=&quot;spip_out&quot;&gt;Turkish Daily News&lt;/a&gt;).&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;strong class=&quot;spip&quot;&gt;Parallelen zum Blaumilchkanal&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;In Ephraim Kishon's Satire &#8222;Blaumilchkanal&#8220;, steht Kasimir Blaumilch, im Mittelpunkt der Geschichte. Blaumilch, ein aus der Psychiatrie geflohener Geisteskranker, rei&#223;t mit einem Presslufthammer die wichtigste Hauptverkehrsstra&#223;e in Tel Aviv auf. Die Anwohner beschweren sich bei der Beh&#246;rde &#252;ber den ununterbrochenen L&#228;rm, die in infolgedessen eine umfangreiche, jedoch ergebnislose Ursachenforschung in die Wege leitet. Die Beteiligten der Stadtverwaltung und des Bauministeriums schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Letztendlich landet die Angelegenheit vor dem Gericht, das die Peinlichkeit so schnell wie m&#246;glich beenden will und einen Bautrupp zur Baustelle abkommandiert. W&#228;hrend der gerichtlichen Auseinandersetzung erreicht Blaumilch mit seinem Presslufthammer jedoch das Meer und die Wassermassen str&#246;men in die Stadt. Um noch einen eleganten Ausweg aus der Misere zu finden, er&#246;ffnet der B&#252;rgermeister den neuen Innenstadtkanal und preist Tel Aviv als &#8220;Venedig des Nahen Ostens&#8221;, damit ist f&#252;r alle eine akzeptable L&#246;sung gefunden. Benzion Ziegler durchschaut als einziger den absurden Hintergrund der Bauarbeiten, weil aber die B&#252;rger der Stadt vor Begeisterung &#252;ber den Kanal blind sind, glaubt ihm niemand und er wird in die Psychiatrie eingeliefert. Blaumilch hingegen verschwindet unerkannt. Die Geschichte vom Blaumilchkanal erinnert an die beschriebenen Staudammprojekte, Beamte haben keine Ahnung, B&#252;rger werden nicht informiert und beschweren sich, Zust&#228;ndigkeiten sind nicht gekl&#228;rt und die Beh&#246;rden schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Die Forderung der EvB an die beteiligten Unternehmen und Institutionen, Gro&#223;staud&#228;mme nur dann zu bauen, wenn sie das Wohlergehen der betroffenen Menschen nachhaltig verbessern und R&#252;cksicht auf die Erhaltung der biologischen und kulturellen Vielfalt genommen wird, kn&#252;pft an die Empfehlungen der Weltstaudammkommission an, die einen konstruktiven und innovativen Weg zur Entscheidungsfindung auf Basis der f&#252;nf folgenden Grundwerte entwickelt hat: Effizienz, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, partizipative Entscheidungsfindung und Rechenschaftspflicht. Diesen Empfehlungen ist nichts hinzuzuf&#252;gen, es bleibt nun die Frage offen, welche unabh&#228;ngige Institution die Empfehlungen weltweit zu zwingenden Auflagen erkl&#228;ren und deren Einhaltung &#252;berpr&#252;fen und kontrollieren soll. Und vor allem bleibt die Frage, wer die Kreditgeber dazu zwingen kann, bei Nichteinhaltung ihre Kredite zu sperren.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Den Geld scheint das einzige Druckmittel zu sein, auf das die t&#252;rkischen Beh&#246;rden reagieren.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		

	</item>



	<item>
		<title>Europ&#228;ische Krisenpakete: St&#252;ckwerk, zu wenig, zu sp&#228;t</title>
		<link>http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article140</link>
		<guid isPermaLink="true">http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article140</guid>
		<dc:date>2008-10-07T07:33:45Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Joachim Jahnke</dc:creator>

<category domain="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?rubrique15">Finanzm&#228;rkte</category>

		<dc:subject>Deregulierung</dc:subject>
		<dc:subject>Monetarismus</dc:subject>

		<description>Da erkl&#228;ren die Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Gro&#223;britannien und Italien in Paris theatralisch, sie w&#252;rden keine gr&#246;&#223;ere Bank fallen lassen. Und wenige Stunden sp&#228;ter muss die Bundesregierung eine Pauschalerkl&#228;rung an die Sparer abgeben, weil der Pariser Spruch nicht geglaubt wird. Die Bundesregierung hat eine schwere Verantwortung auf sich geladen, indem sie den europ&#228;ischen Krisenfond f&#252;r die unterkapitalisierten Banken abgelehnt hat. Europa kann nur gemeinsam schwimmen oder (...)

-
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?rubrique15" rel="directory"&gt;Finanzm&#228;rkte&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?mot17" rel="tag"&gt;Deregulierung&lt;/a&gt;, 
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?mot33" rel="tag"&gt;Monetarismus&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;div class='rss_chapo'&gt;&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Da erkl&#228;ren die Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Gro&#223;britannien und Italien in Paris theatralisch, sie w&#252;rden keine gr&#246;&#223;ere Bank fallen lassen. Und wenige Stunden sp&#228;ter muss die Bundesregierung eine Pauschalerkl&#228;rung an die Sparer abgeben, weil der Pariser Spruch nicht geglaubt wird. Die Bundesregierung hat eine schwere Verantwortung auf sich geladen, indem sie den europ&#228;ischen Krisenfond f&#252;r die unterkapitalisierten Banken abgelehnt hat. Europa kann nur gemeinsam schwimmen oder gemeinsam sinken. Daf&#252;r sind die Finanzm&#228;rkte viel zu verzahnt. Au&#223;erdem sind die europ&#228;ischen Banken weit schw&#228;cher kapitalisiert als die amerikanischen. Sie haben weit weniger Kernkapital im Verh&#228;ltnis zu ihren Anlagen (Abb. 03769) und sind daher weit h&#246;her gehebelt, vor allem einige deutsche Banken (Abb. 03771):&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;span class='spip_document_110 spip_documents spip_documents_center' &gt;
&lt;img src='http://www.europa-im-blick.de/IMG/gif/03769.gif' width=&quot;553&quot; height=&quot;376&quot; alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;span class='spip_document_109 spip_documents spip_documents_center' &gt;
&lt;img src='http://www.europa-im-blick.de/local/cache-vignettes/L520xH354/03771-44125.png' width='520' height='354' alt=&quot;&quot; style='height:354px;width:520px;' class=' format_png' /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Auch haben die europ&#228;ischen Banken schon mehr abschreiben m&#252;ssen als die amerikanischen und umgekehrt weniger neues Kapital aufnehmen k&#246;nnen:&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;span class='spip_document_112 spip_documents spip_documents_center' &gt;
&lt;img src='http://www.europa-im-blick.de/local/cache-vignettes/L520xH354/03744-8d783.png' width='520' height='354' alt=&quot;&quot; style='height:354px;width:520px;' class=' format_png' /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Die Bundesregierung hat besonders widerspr&#252;chlich und versp&#228;tet gehandelt. Lange wurde eine Garantieerkl&#228;rung f&#252;r Sparer abgelehnt. Dann kam sie nur in politischer Form ohne die Absicht einer rechtlichen Absicherung durch den Bundestag und nur f&#252;r etwa 13 % dessen, was private Haushalte in Deutschland an Geldersparnissen angesammelt haben. Dabei ist die gesetzliche Einlagensicherung die ung&#252;nstigste in Europa (Abb. 03779). Andere Regierungen haben dagegen die gesetzlichen Regelungen erheblich angehoben:&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;span class='spip_document_108 spip_documents spip_documents_center' &gt;
&lt;img src='http://www.europa-im-blick.de/local/cache-vignettes/L520xH354/03779-d140a.png' width='520' height='354' alt=&quot;&quot; style='height:354px;width:520px;' class=' format_png' /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Das Mi&#223;trauen in das europ&#228;ische St&#252;ckwerk zeigt sich im Fall des Euro gegen&#252;ber dem Dollar von schon 16 % in nur 3 Monaten:&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;span class='spip_document_107 spip_documents spip_documents_center' &gt;
&lt;img src='http://www.europa-im-blick.de/local/cache-vignettes/L520xH354/03781-df3c3.png' width='520' height='354' alt=&quot;&quot; style='height:354px;width:520px;' class=' format_png' /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;und auch in dem weit st&#228;rkeren Fall der europ&#228;ischen B&#246;rsen, einschlie&#223;lich Dax, verglichen mit den amerikanischen:&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;span class='spip_document_114 spip_documents spip_documents_center' &gt;
&lt;img src='http://www.europa-im-blick.de/local/cache-vignettes/L520xH354/03712-fe839.png' width='520' height='354' alt=&quot;&quot; style='height:354px;width:520px;' class=' format_png' /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Besonders b&#246;se st&#252;rzen heute trotz aller Rettungszusagen die deutschen Banken ab: Hypo Real Estate - 37 %, Commerzbank - 16 % und Deutsche Bank - 10 %:&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;span class='spip_document_111 spip_documents spip_documents_center' &gt;
&lt;img src='http://www.europa-im-blick.de/local/cache-vignettes/L520xH354/03752-f1086.png' width='520' height='354' alt=&quot;&quot; style='height:354px;width:520px;' class=' format_png' /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Fazit: Auch die B&#246;rse traut der Bundesregierung nicht. Hier hilft nur noch Rekapitalisierung durch Teilverstaatlichung. Und das Mi&#223;trauensbarometer f&#252;r den Interbanken-Verkehr Libor steigt und steigt:&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;span class='spip_document_113 spip_documents spip_documents_center' &gt;
&lt;img src='http://www.europa-im-blick.de/local/cache-vignettes/L520xH354/03718-bcb1e.png' width='520' height='354' alt=&quot;&quot; style='height:354px;width:520px;' class=' format_png' /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		

	</item>



	<item>
		<title>Globale Finanzkonferenz: Vorsitz an Keynes!</title>
		<link>http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article139</link>
		<guid isPermaLink="true">http://www.europa-im-blick.de/spip.php?article139</guid>
		<dc:date>2008-10-06T21:42:42Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Christian Felber</dc:creator>

<category domain="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?rubrique15">Finanzm&#228;rkte</category>

		<dc:subject>Deregulierung</dc:subject>

		<description>Sch&#246;n, dass Kommissionspr&#228;sident Jos&#233; Manuel Barroso die EU als Feuerwehr gegen die Finanzkrise positioniert. Sch&#246;n, dass er eine &quot;Konferenz&quot; bef&#252;rwortet. Ein Bretton Woods II ist &#252;berf&#228;llig. Bevor die EU-Kommission aber in Verdacht ger&#228;t, g&#228;nzlich auf die Seite von Attac gewechselt zu haben, sei noch einmal kurz daran erinnert, dass sie in den letzten Jahren fast alles daf&#252;r getan hat, dass &quot;freie&quot; Finanzakteure weltweit Krisen ausl&#246;sen konnten und die EU nun selbst von einer solchen angesteckt wird: (...)

-
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?rubrique15" rel="directory"&gt;Finanzm&#228;rkte&lt;/a&gt;

/ 
&lt;a href="http://www.europa-im-blick.de/spip.php?mot17" rel="tag"&gt;Deregulierung&lt;/a&gt;

		</description>


 <content:encoded>&lt;div class='rss_chapo'&gt;Sch&#246;n, dass Kommissionspr&#228;sident Jos&#233; Manuel Barroso die EU &lt;a href=&quot;http://derstandard.at/?id=1220459954380&quot; class=&quot;spip_out&quot;&gt;als Feuerwehr gegen die Finanzkrise positioniert&lt;/a&gt;. Sch&#246;n, dass er eine &quot;Konferenz&quot; bef&#252;rwortet. Ein Bretton Woods II ist &#252;berf&#228;llig. Bevor die EU-Kommission aber in Verdacht ger&#228;t, g&#228;nzlich auf die Seite von Attac gewechselt zu haben, sei noch einmal kurz daran erinnert, dass sie in den letzten Jahren fast alles daf&#252;r getan hat, dass &quot;freie&quot; Finanzakteure weltweit Krisen ausl&#246;sen konnten und die EU nun selbst von einer solchen angesteckt wird:&lt;/div&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;ul class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; Seit 1999 errichtet die EU mit Feuereifer einen Finanzbinnenmarkt ohne Aufsicht und Kontrolle. Ziel dieses politischen Gro&#223;projekts ist die Gesch&#228;ftsfreiheit der Finanzindustrie und ihre globale Wettbewerbsf&#228;higkeit!&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;ul class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; Mit dieser Strategie hat sie die 44 Gro&#223;banken, die sie jetzt im Notfall retten will, gezielt herangez&#252;chtet. Im Gegenzug k&#252;mmern sie die unz&#228;hligen regionalen und lokalen Sparkassen, Volks- und Genossenschaftsbanken, die das &quot;reale&quot; europ&#228;ische Wirtschaftswunder in den Nachkriegsjahrzehnten krisenfrei finanziert haben, kaum.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;ul class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; W&#228;hrend die Gro&#223;en im Widerspruch zum EU-Beihilfe- und Wettbewerbsrechts von der &#246;ffentlichen Hand aufgefangen w&#252;rden, erachtet die Europ&#228;ische Union die Ausfallhaftung von Gemeinden f&#252;r Regionalsparkassen als Versto&#223; gegen Wettbewerb und Beihilfenrecht. Skurril, dass Barroso den Satz &quot;Als hilfreich haben sich unsere Wettbewerbsregeln und Vorschriften f&#252;r staatliche Beihilfen erwiesen&quot; in seinem Feuerwehr-Kommentar unterbringt.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;ul class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; Die Kommission weigert sich bis heute stur, Hedge- und Private-Equity-Fonds zu regulieren, obwohl die G8 diese Ma&#223;nahme zur PR-iorit&#228;t erkl&#228;rt haben und das EU-Parlament die Kommission mehrfach dazu aufgefordert und ihre S&#228;umigkeit bereits 2007 beanstandet hat.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;ul class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; Die EU-Kommission leistet der Privatisierung der Pensionssysteme eifrig Vorschub - wieder im hei&#223;en Bem&#252;hen um globale Wettbewerbsf&#228;higkeit - und damit einer Krisenursache, n&#228;mlich dass ein Teil des Volkseinkommens, statt direkt von einer Generation zur n&#228;chsten zu flie&#223;en, auf die Finanzm&#228;rkte umgeleitet wird, wo es &#220;berliquidit&#228;t, Inflation und Instabilit&#228;t ausl&#246;st.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;ul class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; Die EU &quot;exportiert&quot; dieses labile Modell &#252;ber das WTO-Dienstleistungsabkommen GATS in alle Welt (von wegen Feuerwehr!) und attackiert L&#228;nder, die ihre Finanzm&#228;rkte besonnener regulieren. Thailand zum Beispiel untersagt Banken, die in Steueroasen lizensiert sind, die Niederlassung. Die EU fordert von Thailand die Aufhebung dieser &quot;Handelsbeschr&#228;nkung&quot;. &#196;hnliche Forderungen erhebt sie gegen Malaysia (Aufhebung von Devisenbeschr&#228;nkungen) und S&#252;dafrika (Lockerung der Eigenkapitalvorschriften).&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;ul class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; Der EG-Vertrag schreibt schlie&#223;lich vor, dass der Kapitalverkehr von der EU bis in die letzte Steueroase undifferenziert frei sein muss. Damit macht sich die EU nicht nur erpressbar gegen&#252;ber steinreichen Steuermuffeln, sie &#246;ffnet Finanzkrisen T&#252;r und Tor, weil noch der faulste Kredit frei die Grenze passieren darf. (Zynismus am Rande: Die Einreise von &quot;unerw&#252;nschten&quot; Menschen wird teils mit milit&#228;rischer Gewalt verhindert.)&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;ul class=&quot;spip&quot;&gt;&lt;li class=&quot;spip&quot;&gt; Aus den zahlreichen Finanzkrisen der letzten Jahre, die andere L&#228;nder in tiefe Rezessionen rissen, weigerte sich die EU beharrlich, Lehren und politische Konsequenzen zu ziehen.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Nun soll man nicht kleinlich sein und Barrosos erwachte Regulierungswut nicht herabw&#252;rdigen, nur weil die Europ&#228;ische Union in den vergangenen Jahre w&#252;tend dereguliert hat. Sollte tats&#228;chlich eine globale und EU-weite Aufsicht Banken, Fonds und Derivate k&#252;nftig streng kontrollieren, w&#228;re das ein gro&#223;er Erfolg&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Aber im Beifall f&#252;r die Forderung nach einer internationalen Konferenz sollte andererseits auch nicht untergehen, was eine echte Neuauflage von Bretton Woods bedeuten w&#252;rde: Br&#228;chte die EU-Kommission auch nur die H&#228;lfte der Vorschl&#228;ge des britischen Vertreters bei der &quot;letzen&quot; Konferenz dieser Art ein, es w&#228;re vergleichsweise eine Revolution.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;John Maynard Keynes schlug 1944 in Bretton Woods vor, dass nicht eine nationale W&#228;hrung die Rolle der Weltleitw&#228;hrung spielen sollte, sondern ein Korb aller wichtigen W&#228;hrungen. In diesem sollten die strategischen Rohstoffe notieren und internationale Schulden verrechnet werden: Dollar, adieu.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Zweitens sollte der Aufbau von Handels- und damit Kapitalbilanzungleichgewichten (aktuelles Beispiel: USA/China) durch Strafzahlungen f&#252;r Handels&#252;bersch&#252;sse wie -defizite verh&#252;tet werden. Will das Barroso wirklich?&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Sch&#246;n w&#228;r's, doch wahrscheinlicher ist, dass der globale Casinokapitalismus unter den Augen einer m&#252;den Aufsicht, etwas h&#246;heren Eigenkapitalvorschriften und dem Verbot des einen oder anderen Derivats zur allt&#228;glichen Spielordnung &#252;bergeht - bis zum n&#228;chsten Krach.&lt;/p&gt; &lt;p class=&quot;spip&quot;&gt;Wirklich sch&#246;n w&#228;re, w&#252;rde John Maynard Keynes auf Einladung von Feuerwehrhauptmann Barroso den Vorsitz dieser Konferenz &#252;bernehmen.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		

	</item>





</channel>

</rss>
